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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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zuweilen sich ereignende Unmöglichkeit, öaS Gegenwärtige inden Krankheiten zu erkennen, und das Künftige vorherzusa-gen, beweist, ist in der von Boerhave herausgegebenenzweyten Geschichte einer grimmigen Krankheit, mit der glei-chen Stärke und Wahrheit beschrieben.

Der Markgraf Guido von Saint Auban, war ein starker,hurtiger, schöner und aufgeweckter Mann, der sehr oft ritt,sagte, tanzte, und niemals müde ward. Im Trinken hielt ersich ungemein mäßig; Speisen genoß er ohne Wahl, am mei-sten aber liebte er fettes Fleisch und frische Butter. Nach demzweyten Jahre seines Alters hatte er eine kleine Verknüpfunggehabt, die aber bald verschwand, so wie ein aufgedunsenesWesen in seinem Bauche im fünften. In seinem sechzehntenJahre hatte er ein hitziges Fieber, doch ward er davon gänz-lich und ohne den geringsten widrigen Erfolg befreyt.

Verschiedene Jahre hinter einander ward er doch mit einemererbten Uebel geplagt. Dieses bestand in einer sehr heftigenGeschwulst der Goldader, die zu einer unglaublichen Größeerwachsen, alle Tage eine Menge Helles Blut ausgoß, undendlich durch den erstickten Geblütsumlauf so bösartig ward,daß er, nach einer langen Geduld, den daher entstehendenSchmerz nicht länger aushalten konnte, da zumal die sehr ent-zündete Geschwulst dem Brande nahe schien. In diesen Um-ständen frug Herr von Saint Auban Boerhave um Rath,der ihm sein Uebel durch eine dünne Diät, und durch auswen-dig und inwendig lindernde Mittel so sehr aus dem Grundehob, daß der Kranke wieder ganz gesund und stark ward, undes, ohne die geringste Spur einer Beschwerde, anderthalb Jahreblieb. Da er nun von diesem großen Uebel auf eine sehr ein-fache Weise befreyt worden, merkte man alle Tage auf daSgenaueste, ob irgend eins von den Uebeln erscheine, die aufdie Heilung des Goldaderflusses folgen, damit man demselbenauf das geschwindeste entgegenstehe. Boerhave rieth diesesnicht nur, weil, nach der Anleitung Hippokrates, alle nach-folgenden Aerzte die Warnung hinterlassen, daß von der Hei-lung des Goldaöerflusses oft wunderbare und noch weit gefähr-