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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Dies« Wahrnehmungen lehren, daß eS in den individuellenAnstanden, in Ansehung des Pulses, Verschiedenheiten gebenkann, die uns billig hindern sollen, auf dieses Zeichen alleinzu sehen, so wichtig cS auch ist.

Sechstes Capitel.

Von der Beobachtung der Zeichen der Krankheiten, ihrer Abänderun-gen und ihres Ausganges in dem Athem.

An dem bedenklichen Augenblick, da der künftige Mensch auseiner Pflanze ein Thier wftd, ist der Athem das erste Zeichendes Lebens; in den Krankheiten, denen er ausgesetzt wird,sobald er lebt, ist der Zustand des Athems die zweyte allgemeineQuelle ihrer Kenntniß, und ein Zeichen, auf welches der Va-ter der Arzeneykunst am meisten gesehen hat, weil er mit derLehre von den Pulsen nur gar wenig bekannt war.

Als ein Zeichen ist der Zustand des Athems von der größtenWichtigkeit, insofern er uns besonders in hitzigen und langsamenBrustkrankheiten auf das innere Wesen dieser Krankheiten führt.In hitzigen Fiebern, die mit keiner Drustentzündung begleitetsind, und sogar in der Pest, darf man auf den Zustand desAthems, als ein Zeichen, nicht durchaus sehen, weil die Anzahlder Pulse gar sehr steigen kann, ohne daß sich darum die An-zahl der Athemzüge vermehre.

Es istzwar nicht zu läugnen, daß man in dem gesunden Zustandebey einer gegebenen Anzahl Pulse eine fast bestimmte Anzahl Athem-züge bemerkt, und daß insgemein in einer Minute achtzig von jenen,zwanzig von diesen begleiten. Weil nun dieses oder ein anderes ge-gebenes Verhältniß bey Vermehrung der Pulse in einigen Beobach-tungen geblieben, so schloß man, die Zahl der Athemzügeverhalte sich durchaus wie die Zahl der Pulse. Allein Herrvon Haller hat erwiesen, daß sehr langsame Athemzüge zugleichmit einer sehr langsamen und mit einer geschwinden Bewegungdes Blutes bestehen können, insofern der Puls klein ist, und