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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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239
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nicht überwindet. Herr von Halter sagt irgendwo: Boerhave! beklage sich über die Schwierigkeiten der Arzeneykunst, da er! doch bis in sein siebenzigstes Jahr alltäglich sechszehn Stun-den darauf angewandt habe; und Wundärzte erfrechen sich,diese göttliche Kunst auszuüben, die in ihrem Leben niemalsden Gedanken gehabt, sie zu lernen.

Wer kommt mit Kinderschritten auf der Laufbahn des Un-^ endlichen fort? Wie soll ein schlechter Kopf die unendlicheMenge verworrener zweifelhafter Erscheinungen in den Krank-heiten nach der Ordnung sich vorstellen, aus den Widersprüchen. ihrer Zeichen sich herauswickeln, und jede Erscheinung bis inihre kleinsten Theile entfalten? Wie kann er fähig seyn, jeden' dieser Theile besonders zu betrachten, ihre Beziehungen untersich und mit andern Erscheinungen zu finden, auf diesen dun-keln und zweifelhaften Wegen bis an ihre Ursachen und Grund-sätze zu steigen? Wird ein plumper Kopf von dieser Höhe denganzen weitumher verbreiteten Umfang der Krankheiten mitunbetrogener Scharfsicht übersehen, und in diesen Labyrinthenvon Beobachtungen und Schlüssen die Anzeigen zur Heilung,die Methoden und die Mittel entdecken?

Freind, der einer der feinsten Geister unter den Aerztengewesen, sagt vortrefflich: daß man nirgends sowohl als in derArzeneykunst empfinde, was ein von Natur sehr scharfsinnigerKopf und eine gewisse Feinheit im Urtheilen vermöge. Wärees demnach möglich, daß kleine Geister in dieser Kunst großseyn könnten, in welchen kaum der äußerste Scharfsinn mitdurchdringendem und uncrmüdetem Nachdenken etwas bey sounzählbaren Schwierigkeiten erräth? Sollten wohl plumpeKöpfe der Scharssicht fähig seyn, die man von einem Arztebegehrt? Sollten endlich diejenigen in einer Kunst, die so sehrverborgen ist, die so auserlesene Talente fordert, mit dieserDurchdringlichseit sehen können, welche in allen übrigen Ver-richtungen des bürgerlichen Lebens beweisen, wie arm sie amGeiste sind? Indeß erfahren wir alle Tage, wie viele alberneKerls sich rühmen, ohne die geringste Mühe zu der Kennt-niß dieser erhabenen Kunst gelangt zu seyn. Wir erfahren