chen ein gelehrter Arzt allerdings ein sehr ungeschickter Arztwäre. Ein Arzt, der iiickdS als ein Gedächtnißgelehrter ist,kann sehr gelehrt und sehr duimm seyn; weil nun die geschickteAusübung der Arzeneykunst am meisten von dem Genie abhängt,so begreift man, daß ein dummer Arzt in der Ausübung derArzeneykunst sehr unglücklich seyn kann. Warum machen zu-weilen halbgelehrte, oft ungelehrte Aerzte, und nicht selten Leute,die gar keine Aerzte sind, gute Euren ? Sie haben Genie. Aberwarum machen zuweilen halbgelehrte, oft ungelehrte Aerzte, nichtselten Leute, die gar keine Aerzte sind, und alle das Siegel derDummheit auf der Stirne tragen, gute Euren? VerschiedeneUmstände, an welchen sie den geringsten Antheil nicht haben,verbinden sich diese Euren zu wirken.
Das Genie geht nicht immer für Gelehrsamkeit, und nichtimmer für Erfahrung. Aber weil bey der gleichen Auferzic-hung, bey gleichen Studien, bey gleicher Gelegenheit Krankezu sehen, ein Arzt, der Genie hat, himmelweit über den an-dern erhaben ist, der keines hat; weil man in zweifelhaftenFallen sich allemal mit dem Genie durchhilft, und weil ohneGenie die Erfahrung unmöglich ist, so darf auch ein jungerArzt nicht alt seyn, um ein großer Arzt zu seyn. Jeder junge""und geistvolle Arzt kaun, nach einer Praxis von einigen Jah-i ren, einem uralten Practiker mit dem zwanzigjährigen Alexan-i der sagen: Demosthcnes hieß mich ein Kind, da ich in Myrtens und in'dem Lande der Triballen war; er nannte mich einenj Jüngling, da ich mich in Thessalien gezeigt; ich muß ihm un-^Per den Mauern von Athen beweisen, daß ich ein Mann bin.
Qbschon es unmöglich wäre eine Arzeneykunst zu schaffen ,wie Pascal eine Geometrie schuf, so wird man dennoch zu derArzcneykunst geboren wie zu der StaatSkunst und der Kriegs-kunst, weil das Genie in seiner ersten Anlage so glücklich seynkann, daß es für eine Wissenschaft gemacht scheint, sobald eSdarauf verfällt. Freiud sagt, alles Studirens ungeachtet werdeniemand ein wahrer Arzt, wenn er nicht gewisser Maßen hierzugeboren sey; denn es finden sich in der Arzeneykunst so vieleschwierige und subtile Dinge, die durch keine Lehrsätze ganz