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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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304
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sey von a.sttzig bis sechsundachtzig Graden, und die daselbstankommenden Europäer verfallen mehrentheils in hitzige Fieber.

Die Kälte zieht die härtesten Körper und auch sogar Dia-manten zusammen. Sie vermehrt ihren Zusammenhang undfolglich ihre Stärke; sie macht die weichern steif, sie vermin-dert in einem hohen Grade die Bewegung der flüssigen, undmacht sie nach und nach stocken. Auch der Mensch ist diesenGesetzen unterworfen. Die Kleider, welche uns im Sommerzu eng waren, sind uns im Winter weit genug; unsere festenTheile machen ihre Verrichtungen besser als im Sommer; dieEßlust wächst, und wir verdauen viel leichter und geschwin-der. Hingegen wird der Widerstand unserer flüssigen Theile sogroß, daß ihn auch die verstärkten Kräfte der festen nicht über-winden, wenn die Kälte sehr beträchtlich ist.

In Canada waren die Franzosen weit stärkere und gesun-dere Leute als in Frankreich, und sie hatten daselbst mit denSchweden die größte Aehnlichkeit. Die Tapferkeit, insofernsie von dem Körper abhängt, ist daher den nördlichen Völkerneigen. Der Winter ist überhaupt, wenn man gute Kleiderund Feuerung hat, eine gesunde Zeit, selbst die Pest nimmtallemal im Winter ab. Das Blut ist aber auch im Winteram meisten zu Entzündungen geneigt. Wir sehen in der käl-testen Zeit in der Schweiz die meisten Seitenstiche, die mei-sten Entzündungen des Halses, das meiste Gliederreißen.

Im Winter stocken bey Leuten, die sich nicht bewegen, dieflüssigen Theile, und oft erstarren bey ihnen die festen. Sehrviele krampfige und sehr schmerzhafte Zufälle entstehen inschwachen Personen aus einer Erkältung der äußern Theile,und diese verschwinden nur mit der wiederkommenden Wärmeder Luft, oder der durch Arzeneyen erweckten inwendigen Wärmedes Körpers. Ich habe in einer sehr schwächlichen Weibsper-son von dreyundfechzig Jahren, auf eine starke Erkältung derArme, einen so entsetzlichen Krampf plötzlich in dem ganzenKörper entstehen gesehen, daß es ihr schien, man reiße ihrdas Fleisch vom Leibe, und drehe ihr auf einmal alle Gliederaus. Sie hatte zugleich in dem Magen und den Gedärmen