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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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318
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die nicht gleich geschwind sich aufrichteten, todt getreten. Dießalles geschah, ehe die erste Stunde ihrer Einkerkerung zu Endeging.

Um neun Uhr des Abends brachte ein überhandnehmender Durstdie meisten in eine Art von Wuth. Sie bemühten sich nochmalsumsonst die Thüre aufzubrechen und ihre Wache zu bewegen,auf ste zu feuern. In kurzer Zeit fielen viele in dem HinternTheile des Kerkers in eine Athemlosigkeit, und was noch schreck-licher war, in einen Wahnsinn. Das Rasen der Verrückten,die bangen Klagen, die laute Stimme der Angst und der Ver-zweiflung erfüllten den Ort; aber über alles erscholl das Ge-schrey nach Wasser. Die Wache kam endlich mit Wasser her-bey. Herr Hollwell und zwey seiner verwundeten Freunde faß-ten es am Fenster in ihre Hüte und reichten es den Uebrigen ;aber das Bestreben darnach war so groß, daß viele, und auchdie beyde Freunde des Herrn Hollwell dabey todt gedrückt wur-den, während alles Wasser verloren ging. Herr Hollwell warmit diesem Wasserreichen von neun bis eilf Uhr beschäftigt, undder ganze Kerker um ihn her mit todten Körpern seiner erdrück-ten oder erstickten Freunde überstreut.

Man hatte bis jetzt noch einige Achtung für Herrn Hollwell,als das Oberhaupt und den Wohlthäter dieser Unglücklichen,behalten. Nunmehr hörte aller Unterschied der Personen auf.Die ganze Gesellschaft drang nicht nur auf ihn zu, sondern sieergriffen über seinem Haupte die Fensterstangen, arbeiteten sichauf seine Schultern, und drückten ihn durch ihre überwiegendeLast so sehr, daß er sich gar nicht bewegen, und gleichwohl aufdiesem Platze nicht länger bleiben konnte. Er rief darum die,welche auf seinem Kopfe und auf seinen Schultern standen, umBarmherzigkeit an, ihn ledig zu lassen, damit er von dem Fen-ster sich entfernen und ruhiger sterben könne. Seine entfern-ten Mitgenoffen fanden keine Beweggründe ihm behülflichzu seyn und einen Platz zu verlassen, den jeder zu erobern suchte.Die nächsten Reihen öffneten sich so weit, daß Herr Hollwellmit großer Mühe endlich in den Mittelpunct des Gefängnissesgelangen konnte. Der dritte Theil der Gesellschaft war nun-