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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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325
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am Heftigsten; auch erzählte mir ein würdiger Geistlicher, dereine kleine Stunde von Der» Pfarrer gewesen, er sey oft indem Dorfe Muri in Häuser gekommen, wo in der einzigen,sehr niedrigen, sehr kleinen und wohl verschloßncn Stube desBauers, ein paar Todtenkörper auf dem Tische, und vierbis fünf an der Ruhr kranke Männer, Weiber und Kinderin ihren Betten lagen, und neben sich offene Geschirre hatten,in welche sie ihre Nothdurft verrichteten. Man sieht deutlich,daß diese Krankheit, die an sich leicht ansteckend wird, um soviel mehr um sich greifen muß, wenn man die Kranken vonden Gesunden nicht absondert, und um die Kranke» selbst dieLuft nickt erneuert. Selbst in der Pest ist die Entfernungder Kranken von den Gesunden, nebst der Erneuerung undErfrischung der Luft, die größte und beste Vorsorge.

Alle diese schädlichen Wirkungen einer eingeschloßnen Luftwerden um so viel deutlicher, wenn man auf zwey Wahrneh-mungen besonders merkt. Herr Pringle fand, daß die Fäu-lung viel geschwinder in der eingeschloßnen als in der offenenLuft fortgeht. Denn weil die Theile, welche am meisten faulsind, auch am meisten flüchtig sind, so entfernen sie sich un-verweilt von dem angesteckten Körper, und verlieren sich indem Winde; aber in einer eingeschloßnen Luft verweilen sie umdiesen Körper, und vermehren durch eine Art von Währungseine Verderbniss. Die zweyte Wahrnehmung ist, daß der Kör-per des Menschen nicht nur die Feuchtigkeit, sondern auch dieübrigen in der Luft herumfliegenden Dünste einsangt. Keilhat erwiesen, dass ein gesunder, aber durch den Mangel derSpeisen und eine starke Bewegung entkräfteter Jüngling in ei-ner Nacht achtzehn Unzen durch seine Schweisslöcher eingeso-gen; man hat aber auch gesehen, daß in einem Tage schonvierzig Pfund eingesogen worden. Herr von Haen schätzt die-ses Einsaugen bey Wassersüchtigen in wenig Tagen über hun-dert Pfund; überhaupt wird das Einsangen der Haut in vier-undzwanzig Stunden über ein Pfund gesetzt. Nun kann manschließen, was für die Umstehenden und die Kranken selbstvon den Wirkungen einer Lust zu erwarten sey, die von faulen