Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
Seite
335
JPEG-Download
 

3Z5

er auch die Fische tobet; in Deutschland bekümmert man sichum den daher rührenden Schaden nicht; in Italien geschiehtdiese Einweichung in der Entfernung einiger Stunden von denStädten. Man hat Exempel, daß aus dem Dunste des ein-geweichten Flachssamens eine bösartige Krankheit entstanden ist,die einer Familie das Leben genommen, und eine ganze Gegendangesteckt hat. Laneisi sagt, daß zu Konstantinopel sehr oftgefährliche Fieber unter dem Volke herrschen, weil man den ganznaß von Cairo gebrachten Flachs und Hanf in öffentliche Scheu-nen einführe, wo sie den Sommer hindurch gährcn, und nach-her, zum Verkaufe ausgesetzt, dieses Elend unter das Volkbringen.

Alle Alkalinische Pflanzen: Kohl, Rüben, Rettige, Zwie-beln und Knoblauch kommen durch die Fäuluug der thieri-schen Verderbniß nahe. Man weiß, wie unerträglich das Rülp-sen eines Menschen ist, der mehr Nettig ißt, als er verdauenkann, und wie teuflisch seine von ihm abgehenden Winde rie-chen. Man weiß, wie die Juden in Frankfurt am Mahn,wegen dem bey ihnen üblichen Mißbrauch des Knoblauchs indie Ferne ausdünsten, und was daher für ein abscheulicher Pfuhldie dasige Judengasse ist, da es doch der gesunden Politik sogemäß wäre, diesen bedrängten Leuten nicht nur durchaus einefreye Wohnung zu gestatten, sondern sie auch, wegen der Un-reinlichkeit der gemeinen in ihren Augen sonst so katzenreinenJuden zu vertheilen. Rogers sagt, es sey im Anfang diese»Jahrhunderts in dem Wadham Kollegium in Oxford ein sehrbösartiges Fieber ausgebrochen, das eine Menge Leute weg-raffte, aber in andere Kollegien nicht drang; die Aerzte suchteninsgesammt die Ursache dieser sonderbaren Erscheinung, und ka-men alle überein, daß diese Contagion von der FLulung einergroßen Menge Kohl herkomme, den man aus den benachbartenGärten bey dem Wadham Kollegium auf einen Haufen gewor-fen hatte. Die schädlichen aus der daher entstandenen Gährungaufgestiegenen Dünste steckte das nahegelegene Gebäude an, abersie hatten die Kraft nicht weiter zu dringen.

Die Wälder vermindern zwar die Hitze der nahen Städte,