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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Der hat zu viel geessen oder getrunken, der eine Stundenach dem Essen träge, schläfrig und zu aller Arbeit ungeschicktist. Allzuhäufig genossene Speisen werden nicht verdaut, sieschwellen eher auf und verderben. Entweder müssen ste nachder Römer Art zurück, oder man verfällt in die heftigsten Kopf-schmerzen, in den Sod, in das Bauchgrimmen, in die in Eng-land so berüchtigte Ueberfüllung, in heftige Fieber, und stirbt,wie La Mettrie an seiner bey dem Lord Tirconel genossenenPastete. Nach einer starken Mahlzeit haben insgemein alleGäste ein rothes, aufgedunsenes Angesicht und rothe Augen; oftwerden sie schläfrig und schwer. Daher kommt es, sagt derFreyherr van Swieten, daß so oft mitten unter dem Schmau-sen, Leute, die unmäßig leben, an Schlagflüssen dahin fallen.

Schwache Personen fühlen ein banges angsthaftes Wesen,eine Niedergeschlagenheit des Leibes und des Geistes, einedrückende Last auf beyden , wenn ihr Magen, sowenig sie auchimmer essen, über das Maß ihrer Kräfte voll ist. Ein un-verdauter Stoff, Winde und ein überflüssiger Nahrungssaftin den Gedärmen machen solchen Personen höchst unruhigeNächte, angsthafte Träume, Erstickungen, den Alp, die fürch-terlichste, von mir oft wahrgenommene, einem wahren Schlag-flusse ähnlich, und durch die Beförderung der Verdauung alleinheilbare Zufälle der Nerven. Auf solche Nächte folgt allemaleine Verlegenheit, eine Schwachheit, ein vielfältiges Krämpfenund Ziehen in allen Nerven, eine Unfähigkeit zu allen Geschäf-ten und zu aller Zerstreuung, eine tödtende Langeweile, oderunüberwindliche Schwecmuth. Ritter Carl Scarborough hatdaher der Herzogin von Portsmouth sehr wohl gesagt: Ihrmüßt weniger essen, oder euch mehr Bewegung geben, oderArzeneyen nehmen, oder krank seyn.

Fast alle langsamen Krankheiten fangen bey einer ÜbelnVerdauung an, und doch nehmen so viele tausend Aerzte ihreAnzeigen, die Hypochondrie und die Mutterkrankheit zu heilen,von dem eingebildeten Zustande des Blutes, da man diese Krank-heiten, welche die Hälfte aller langsamen Krankheiten ausma-chen, zu lindern oder zu heilen, so augenscheinlich aus das