410
jährigen Frau fast drey Monate gewährt und den Tod nachsich gezogen hat. Die bloße Verhüttung der Winde ist schonsehr gefährlich. Sueton sagt, Kaiser Claudius habe durcheiu Edict befehlen wollen, daß es jedem Römer aller Ortenerlaubt seyn solle, seine Winde streichen zu lassen, weil manihm erzählt habe, es sey jemand durch diese höfliche Zurückhaltungin der Gefahr gewesen, sein Leben zu verlieren. Die Hollän-der sagen, wenn sie einen streichen lassen: lieber in der weitenWett, als in dem engen Bauch.
Ein Durchfall ist wohl zuweilen dienlich, aber überhauptzeigt er etwas Fehlerhaftes in dem Körper an. Ich bemerkehauptsächlich bey hypochondrischen und hysterischen Personen ei-nen nicht genug gcfürchteten, und von den Praktikern als eineGutthat der Natur gepriesenen Durchfall, der oft viele Jahrewährt, bald alle Tage, bald mehrmals in der Woche, und we-nigstens alle Monate über drey, vier bis sechsmal des Tagssich äußert, dem Körper alle Nahrung nimmt, die Kräfte ver-zehrt, und eine neue höchst wichtige und äußerst hartnäckige Ur-sache der Krankheiten wird, von welchen er anfangs die Wir-kung war. Mich hat daher so sehr nicht gewundert, daß HerrAeviani, ein kluger«Jtaliänischer Arzt, dem offnen Leibe inder Hypochondrie und Mutterkrankheit sehr eingewogen ist, unddaß er einen Durchfall von einem Tage für schlimmer hätt, alseine Bindung von zwey Wochen.
Der Harn geht in kalten Ländern natürlicher Weise stärkerab, wcil die Ausdünstung geringer ist. In warmen Ländernist sein Abgang sparsam, weil die Ausdünstung sehr beträcht-lich ist. Die Weiber vermögen auch überhaupt den Harn län-ger zu hatten als die Männer. Ein allzu starker Abgang desHarns macht eine eigene und gefährliche Krankheit aus, die manden Hcrnfluß nennt. Dieser Harnfluß ist zuweilen unendlichgroß; Gatinaria erzählt die Geschichte einer Frau, die in sechs-zig Lege» siebenzehnhundert und vierzig Pfunde mehr weg-geharnck, als sie getrunken, und doch ward sie noch gesund.Eoerhave hat in einem Jüngling, der Tag und Nacht studirte,und dm Schlaf mit immerwährendem Thee- und Caffeetrinken