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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
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434
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gänzlicher, aber doch periodischer Wahnwitz. Ich sah in einerFrau von dreyßig Jahren nach dieser Verhüllung eine soge-nannte hysterische Melancholie entstehen, die in einer außeror-dentlicken Furchtsamkeit und einem Abscheu vor allen ihr sonstangenehm gewesenen Ideen bestand, mit einem beständigenKopfschmerz, Ekel vor allen Speisen, Kraftlosigkeit in allenTheilen des Körpers, Zusammenziehen des Halses, Zittern inden Beinen und immerwädrenden sogenannten Wallungen be-gleitet war, und von mir geheilt worden. Freyherr van Swie-ten sagt, Kindbekterinnen verfallen auf einen unterdrückten Ver-druß oft in eine unheilbare Tollheit, welches aus der gleichenQuelle herzuleiten ist.

Durch die Verhüllung der Geburtsreinigung nach einerheftigen Bekümmerniß, sah einer unserer aufgeklärtesten Geisterund größten Menschen, Herr Doktor Hirzel in Zürich, nebstandern wichtigen Uebeln, eine gänzliche Starrsucht entstehen,deren Geschichte merkwürdig ist. Eine Frau von sechsunddreyßigJahren, die immer eine gewisse Furchtsamkeit, einen Hang zurMelancholie und andere Zeichen eines schwachen Nervensystemsverrathen, gebar ihr erstes Kind, das aber sehr schwach zurWelt kam, und nach wenigen Stunden starb. Während derGeburtsarbeik ward sie von der Hebamme unter dem bestän-digen Verweise, ob sie denn eine Mörderin an ihrem Kindewerden wolle, zur Geburtsarbeit angestrengt. Diese von derHebamme erzwungene Ueberarbeitung erweckte ihr Convulsionenund Verwirrungen des Kopfes, die nach der Entbindung sehruberhand nahmen. Die Geburtsreinigung war den ersten Tagsparsam, den zweyten blieb sie ganz weg. Die meiste Zeitwar der Kopf verwirrt, der Puls geschwind und starr, undein heftiger Schweiß vorhanden; der Harn ging ohne Schmer-zen ab. Nach dem dritten Tag hatte sie eine ruhige Nacht,doch immer einen geschwinden und starken Puls, auch einengroßen Durst; die Geburtsreinigung zeigte sich ein wenig, dieKranke war aufgeweckt, denn sonst hatte sie bis hieher in ih-ren vernünftigen Augenblicken immer bejammert, daß sie dieMörderin ihres Kindes sey. Nach dem vierten Tage hatte sie