447
die Furcht die Kruste des Herzens schwächt, die Einsaugungder Haut befördert, und daher in epidemischen und ansteckendenKrankheiten so gefährlich ist, daß man es wirklich nach demverdienstvollen, und nur seinen Feinden zur Schande mißkann-ten Arzte, Herrn Friedrich Castmir Medicus, für einen Lehr-satz annehmen kann, die Furcht neige vorzüglich den Menschenzu diesen Krankheiten, und daß darum auch ein gesetztes undstandhaftes Wesen ihr wahres Gegenmittel sey. RivinuS hatin der Pest zu Leipzig bemerkt, daß die Pest fast nur durchdie Furcht von einem Menschen zum andern überging. Fal-conet erzählt die Geschichte einer Frau, die aus einer närrischenFurcht die Pocken plötzlich sich zuzog, indem sie in einer Kircheeine andere Frau sah, die rothe Flecken im Angesicht hatte,und geglaubt, diese Flecken seyen eine Folge der Pocken. Jn-l deß hatte jene gefleckte Frau nicht die Pocken, sondern etwas? Scorbutisches im Blute; aber die Furcht öffnete bey dieserdie einsaugenden Gefässe der Haut, und vielleicht faßten diesein der Luft die ansteckenden Theile der Pocken. Ein mir sehr! wohl bekannter, und im eigentlichen Sinne ehrwürdiger Geist-! licher, von einem sehr furchtsamen und schwächlichen Tempera-! mente, ließ acht Stunden von dem Orte, wo er lebte, ein
> Paar lederne Hosen in einer Stadt waschen, wo die Ruhr im^ äußersten Grad wüthete; man sandte ihm seine Hosen zurück,
> er zog sie an; plötzlich überfiel ihn die Furcht, es möchten an-! steckende Theile der Ruhr in diesen Hosen liegen, und plötzlich
verfiel er in eine wahre, anhaltende und sehr heftige Ruhr.Noch ganz neulich kam der ähnliche Sohn dieses würdigenMannes, ein junger, liebenswerther Herr, v'on einem zärtli-chen Temperamente, in das Zimmer eines an dem Friese! Ver-storbenen; er griff den Leichnam bey einer Hand an; seine ge-genwärtigen Freunde sagten ihm, seine Zärtlichkeit auf die Probezu setzen: jetzt habe er sich den Friesel zugezogen; nach ein PaarTagen hatte er den Friesel Mit allen in demselben gewöhnlichen^ Zufällen. Die von Herrn Casimir Medicus angeführten Zeug-nisse aus Pechlin, Hoffmann, Bohle, Füller, Werlhof, Krauseund andern, beweisen ebenfalls nicht durchaus die gegebene