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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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zum Denken und Handeln geschickt, und durch diese Munter-keit fühlen sie schon des Morgens im Bette, ehe sie ihre Au-gen öffnen, wie der Himmel aussieht. Bey einigen äußert sichdieser Zustand der Lust des Morgens, sobald sie aufwachen,durch die höchst angenehme Empfindung einer kleinen Kälte inder Nase; es wäre also sich nicht sehr lächerlich ausgedrückt,wenn man sagte, daß es Leute gibt, die das schöne Wetterriechen. Aber nicht alle Temperamente sind für das Wetterso empfindlich. Ein ganz gefühlloser oder ganz gesunder Menschbekümmert sich weder um die dunkele und feuchte, noch um diehelle und trockene Luft.

Durch die Nase eines Menschen schließe ich sehr oft auf seinTemperament. In der Nase liegen die Nerven bloß, se mehralso die Nase eines Menschen empfindlich ist, desto mehr wirdsein Temperament empfindlich. Nur die Gewohnheit, oder eineSeltsamkeit in der Natur, oder die bloße Einbildung, odereine Nervenkrankheit hindern diesen Schluß. Der spitzfindigeCardanus hielt einen feinen Geruch mit Recht für die Anzeigeeines scharffinnigen Geistes, einer fertigen und andauerndenEinbildungskraft. Herr von Haller ward durch die Gewohn-heit von dem Gestanke eines verfaulten Leichnams nicht be-leidigt; hingegen habe ich bemerkt, daß er die sonst für andereunfühlbare Ausdünstung alter Leute auf zehn und zwölf Schritteroch. Dieser außerordentliche Mann riecht daher auch Aepfel,die in seines Nachbars Hause liegen; er entsetzt sich vor demKäse, und er sagte mir einst in Göttingen, er habe ein paarBücher noch nicht öffnen dürfen, die man ihm zwölf Jahrevorher aus der Schweiz in einer Kiste überschickt, in welcherein durch seinen Geruch ihm noch immer fühlbarer Schabziegergelegen. Gross erzählt von den Braminen, die zwar gesundaber doch sehr schwächlich sind, sie haben einen sehr scharfenGeruch, und daher rühre sie der Duft der Blumen unendlichmehr als unS; auch ihr Geschmack sey so fein, daß sie unge-mein genau in der Wahl des gemeinen Wassers sich bezeigen,und daraus wirklich einen Gegenstand des sinnlichen Behagensmachen. Man wird mir zwar einwerfen, es gebe auch Neger