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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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immer wirksamen Gewalt seines Besitzers als die Tugend,deren Besitzer man sonst in Rom nicht zugerufen hätte: schläfstdu, Brutus!

Jeder körperliche Schmerz ist Leuten von einem empfind-lichen Temperamente ungemein empfindlich, wenn sie durch die, Gewohnheit wider denselben nicht verhärtet sind. Diese Em-pfindlichkeit geht aus dem Körper in die Seele über; ein Mensch,der von einer kleinen Wunde heftig leidet, wird eben so heftigj von einer unangenehmen Idee leiden; der bloße Anblick einesverehrten Dösewichts kann ihm einen Schwindel oder eine Nei-gung zum Brechen verursachen. Alle Leidenschaften wirken da-her auch kräftiger bey gefühlvollen Leuten, und zwar zuweilenzum Nachtheil ihter anderweitigen Größe. Demosthenes warin seiner Jugend sehr mager und schwächlich, daher konnte. ihn seine Mutter nicht zur Arbeit halten, und darum wollten. ihn seine Lehrer zum Studiren nicht nöthigen; aber darum ver-i ließ er auch bey mehrern Jahren in der Schlacht bey Cheronea' seinen Posten, warf seine Waffen weg, und nahm die Flucht. Cicerowar nicht nur im Kriege und bey dem bloßen Anblicke gezück-ter Waffen furchtsam, sondern er fieng auch nie an, auf demGerichtöplatze zu reden, ohne zugleich die heftigste Furcht zuäußern; und noch kaum verlor er diese Furcht, da seine Bered-samkeit auf die höchste Stufe der Vollkommenheit gestiegenwar. In seinem Hause äußerte Cicero die gleiche Weichlichkeit.Seine Tochter Tullia war an einem Kinde gestorben; alle Philoso-> phen dieser Zeiten kamen von allen Seiten her den Cicero zutrösten; aber er blieb immer über diesen Verlust so untröstbar,und so sehr ungeduldig, daß er auch sogar seine zweyte Frauverstieß, weil es ihm geschienen, sie habe sich über diesen Todgefreut. Helvetius bemerkt, seinem Scharfsinn gemäß, daßkalte Köpfe diesen Mängeln in ihrer Aufführung so sehr nichtunterworfen seyen, als hitzige Köpfe; dieß komme nur daher, weil' kalte Köpfe dieser großen Beweglichkeit unfähig seyen. Sie ha-ben ihre Sittsamkeit ganz allein der Schwachheit ihrer Leiden-schaften zu verdanken, obschon sie zuweilen in ihren eigenenAngelegenheiten auch den schönen Sittenspruch gar schön