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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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517
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Die Unmaßigkcit der Eltern tödet die Kinder vor ihrer Ge-burt. In Spanien, in Frankreich und dem französischen Theileder Schweiz, sieht man häufig den schlafenden Wurm, der inden Kindern eine Folge der Lustseuche der Vater ist. Ererbtdas Kind das geile Gift nicht selbst von Vater oder Mutter,so wird doch sein Temperament in seinem Grundstoffe schonverdorben, weil es der Ausfluß dieser wandelnden Leichnameist. Die geringste Ursache von dieser Art ist nicht ohne Wir-kung. Von der Ansteckung des Frauenzimmers durch den Feh-ler des mit geilen Seuchen behafteten Mannes sagt Herr Dei-dier, das Gift könne lang in den Adern der Frau, ohne ihrviel zu schaden, herumirren, aber die in diesem Zustande ge-bornen Kinder werden aussätzig. Boerhave glaubt, diejenigenKinder seyen der Verknüpfung vorzüglich ausgesetzt, derenEltern schlaffe und schwache Körper haben, einer müßigen undweichlichen Lebensart ergeben sind, sich häufiger, feiner,fetter Speisen, vielen Zuckers, süßer Weine und häufiger war-mer Getränke bedienen; die durch langwierige Krankheiten odereinen häufigen Beyschlaf, oder auch durch daü Alter erschöpft,der venerischen Abzehrung oder wiederholten Trippern unterwor-fen, ihren fast ausgemergelten Samen zur Zeugung dieser Kin-der vergießen.

Die anererbte Neigung zu Krankheiten des Leibes und desGeistes ist zuweilen von einer außerordentlichen Wirksamkeit,weil sie durch viele Geschlechter fortgeht, oft viele Jahre ver-borgen bleibt, bis sie plötzlich wirksam wird. LinnäuS hatbemerkt, daß ein Vater seine Colik zwar durch das Ehebettverloren, aber zweyen Kindern, und zwar mit taktender Stärkehinterlassen. Gaubius erzählt, nach dem Donatus, aus derSchottischen Geschichte des Hektor Boethius, ein SchottischesMädchen habe die ererbte Neigung zur Menschenfresserey be-halten, obschon es kaum ein Jahr alt gewesen, als seine Elternaus dieser Ursache verbrannt wurden.

Andere Mangel sind nur zum Theil verdeckt. Hieher ge-hören die Fehler der festen und der flüssigen Theile, welchezwar an sich noch keine Krankheiten ausmachen, aber die es