Ueber die Familienverhältnisse und die jüngeren Jalne deSGrafen Joseph wissen wir nichts; nur so viel erinnern wiruns dunkel, einmal gehört zu haben, daß sich bei ihm schonfrühzeitig die Neigung zum Kriegerstande geoffenbaret habe;ein nicht seltenes Vorkommniß bei den Söhnen des hohen Adels.Vielleicht mögen auch seine Eltern ihn für den Waffendienstbestimmt haben. Er trat auch wirklich am 1. August 1784 indas k. k. österreichische zweite Cuirasster-Regiment ein, welchesdamals den General Caramelli zum Inhaber hatte, dessen Namenführte und zu Gyöngyös in Ungarn stationirt war. Unstreitignicht ohne gehörige Vorbildung seines Standes seyend, wenig-stens nicht unerfahren in den sogenannten ritterlichen Künsten,namentlich in der Reitkunst, konnte es ihm bei strenger Erfül-lung seiner Obliegenheiten nicht fehlen, vom Endeten zumOffizier zu avanciren. Am 3. Februar 1787 wurde er zumUnterlieutenant, und am 11. November desselben Jahres bereitszum Oberlieutenant im Regimente befördert. Wer den Wir-kungskreis eines Subaltcrnoffizierö im Garnisonslebcn kennt,wird es leicht begreiflich finden, wenn sich aus den Erinne-rungen dieser Zeit von Radetzky nichts Wichtiges oder Aus-zeichnendes erhalten hat. Daß er sich genaue Kenntniß deSReiterdienstes zu erwerben suchte, daß er in der, durch seinenStand bezeichneten Richtung auch wissenschaftlich sich fortbildete,daß er prompt in seinem Dienste war, auch durch seine Per-sönlichkeit bei seinen Kameraden Zuneigung und bei seinen Un-tergebenen Ansehen gewann, kann als ausgemacht angenommenwerden.
Radetzky'S Sehnsucht nach einem Feldzug, die so natürlichbei jungen, wackern Offizieren ist, wurde bereits im Jahre 1788erfüllt. Radetzky zog, in seiner Eigenschaft als Oberlieutenant,mit dem Regimente Caramelli gegen die Türken zu Felde.
Die Kaiserin Katharina II. von Rußland hatte im Jahre1780 das mit Preußen sechözehn Jahre hindurch bestehendeBündniß nicht erneuert, und war mit Oesterreich zum Bundezusammengetreten, dessen Abschluß Kaiser Josephs II. Politik aufalle Weise suchte und beförderte. Schon früher hatten Josephund Katharina zu Mohilew und Petersburg sich gesprochen;als aber Beide 1787 zu Cherson zusammen trafen, schienKatharina ihren Blick auf Konstantinopel, Joseph den seinigenauf Italien und Rom — zur gleichzeitigen Herstellung des öst-lichen und westlichen Kaiserreiches der alten Welt — gerichtetzu haben. Unter dem Namen des „griechischen Projekts" wurdedie Vertreibung der Türken aus Europa und die Herstellung