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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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Noch während der Dauer des Waffenstillstandes von Pars-dorf rückte Oberst Graf Radetzky bei seinem Regimente, AlbertCuirassiers, ein, welches in der Brigade Wolsskehl eingetheiltwar und bei der Division Johann Lichtenstein stand.

Ehe es wieder zum Kampfe kam, fanden in dem österrei-chischen Heere in Deutschland bedeutende Veränderungen statt.Kray wurde des Oberbefehls enthoben und verließ mit nochmehreren anderen Generalen die Armee. Am 10. Septembererschien der Kaiser Franz mit seinem Bruder, dem ErzherzogeJohann, und dem Armee-Minister, Grafen Lehrbach, in demk. k. Hauptquartiere zu Alten-Oetting und stellte dem Heereseinen achtzehnjährigen Bruder Johann als neuen Oberfeldherrnvor. Erzherzog Johann erhielt den Feldzeugmeister und Genie-Director Baron Lauer zur Seite, einen wackern Kriegsbau-meister, welcher aber niemals ein bedeutendes Commando gehabt,und welcher durch die Leitung der beiden Operationen Wurm-sers zur Rettung Mantua's 1796 einen bösen Vorgeschmackseiner Talente als Stratege gegeben hatte.

Die Waffenruhe hörte aus und das Schwert wurde wie-der gezogen *). Die österreichische Armee war auf 132,000Mann bereits gebracht, und man hoffte sie noch zu erhöhen.Davon standen 27,000 Mann unter den österreichischen Gene-ralen Klenau und Simbschen und dem bayerischen General HerzogWilhelm von Birkenfeld in der Oberpfalz, an der Regnitz unddem Maine; etwas über 20,000 Mann unter dem k. k. Ge-neral Hitler in Tirol und 85,000 Mann unter dem ErzherzogJohann am Jnn, von Rosenheim bis Braunau. 85,000 Mannin der starken Stellung am Jnn waren allerdings geeignet,nachdrücklichen Widerstand zu leisten; aber man hatte einenAngriffsplan entworfen, der nichts geringeres bezweckte, als,Moreau's Armee unter den ungünstigsten Verhältnissen zurSchlacht oder zum schleunigen Rückzüge hinter den Lech zunöthigen. Während Klenau von Regensburg aus, zwischen derDonau und Jsar rasch vorgehend, die Verbindungen der Fran-zosen bedrohte, sollte die Hauptmasse eben so schnell an denletzteren Fluß dringen, ihn bei Landshut überschreiten und danndie Richtung aus Dachau einschlagen; hier mußten die Waffenden Feldzug entscheiden, insofern es dem im Rücken bedrohtenFeinde nicht gelang, hinter den Lech zu entkommen. Hinsichtlich

*) Vergl.: Das Leben des Erzherzogs Johann von Oesterreich. Mit be-sonderer Berücksichtigung der Feldzüge dieses Prinzen in den Jahren1800, 1805, 1809 und 1815. Von Franz Joseph Adolph Schneida-wind. Schasshausen, 1849.