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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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legnano übel zu stehen. Als nämlich der österreichische Adjutant,Oberst Graf Wratislaw, nach Melegnano geschickt wurde, umLebensrnittel für die Armee zu verlangen, zogen sogleich die sana-tistrten Einwohner die Sturmglocken, nahmen ihn gefangen, sperr-ten ihn in ein dunkles Loch und drohten ihm mit den: Tode,wenn er den Feldmarschall nicht vermöge, mit seiner ganzenArmee die Waffen zu strecken. Wratislaw erklärte natürlich die-ses Verlangen für unsinnig, und bemerkte, sein Leben, das demKaiser gehöre, könne er hier, wenn es seyn müßte, eben so gutbeendigen, wie auf dem Schlachtselde. Kaum aber hatte Radetzkyvon der Gesangennehmung seines OfficicrS gehört, als er Trup-pen zum Sturme deS Ortes vorrücken ließ, und er selbst, trotz-dem daß mit Schießbaumwolle auS den Fenstern der Häuser ge-schossen wurde, in die Straßen sprengte und in Person mehrereHaubitzen auffahren ließ. Bald schlugen die Granaten platzendund zündend in die Häuser; die Barricadcn wurden mit demBajonette aufgeräumt, und kurz nachher wurde Wratislaw voneiner ihm unbekannten Person, die ihm schon anfänglich unterdem Wüthen der klebrigen Theilnahme bewiesen, in Freiheit ge-setzt und von einer Schaar Jäger im Triumphe herausgebracht.Die Einwohner von Melegnano wurden gezüchtigt, mehrere Häu-ser nach Kriegöbrauch geplündert und verbrannt. Die StrafeMelegnanos verbreitete heilsamen Schrecken, und zeigte der be-thörten Menge, daß eS so noch lange nicht stehe, wie sie esdachte; von nun an fand die k. k. Armee keinen Widerstandmehr und stets Lebensmittcl bereit. — Den Marsch nach Me-legnano hatte zur Linken die Brigade Strassoldo, welche aufPanllo, zur Rechten die Brigade Clam gedeckt, welche auf Lan-driano den Weg genommen. Am 2ck. März wurde der Marschauf Lodi an der Adda fortgesetzt. Es war dem G.-M. Erzher-zog Sigismund gelungen, Lodi in Unterwürfigkeit zu erhalten, sodaß der Feldmarschall ohne Umstände die Adda passirte. DieArmee bezog hinter dem Flusse ein Lager.

In diesem Lager trafen den F.-M. Radetzky die UnglückS-botschaften von Venedig, von Osopo, von Roco d'Anfo rc., vondem verrätherischen Abfalle vieler seiner italienischen Truppen inUdiue, Treviso, Padna, Crcmvna, Venedig, Brescia, rc. Ermußte im eigenen Lager täglich Aehnliches erwarten, sehen. Beijedem Schritte rückwärts löseten sich mindestens Alle ab, welcheihrer Heimath nahe waren. Der Lombarde dient ungern, er willfriedlich im Hause seyn, seine Wiesen, seinen Wein, seine Seidebauen, sein schönes Clima in Ruhe, Heiterkeit und fröhlichemGespräche genießen. Die Strenge und das Harte des Soldaten-