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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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521
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schriftliches Verhältniß, wie in der österreichischen herrscht, woRang und Stand in dem außerdienstlichen Verkehr so wenig inBetracht kommt. Nur im Dienst gilt die Charge, außerdienstlichaber ist nur die hohe Verehrung und die innige Liebe die Scheide-wand, welche den Officker vom Feldmarschall trennt.

In dem dichtesten Gewühle des Marsches und der Schlachtreicht ein einziger Blick hin, um den berühmten Helden Radetzkyaugenblicklich von seiner Umgebung herauszufinden; nicht als ober eigenthümlich gekleidet sey, er trägt denselben hechtgrauen Rock,wie alle übrigen Generale und einen unscheinbaren Hut mitgrünem Federbusch, auch nicht, als ob seine Figur vor Andernhervorragend sey, im Gegentheile, er ist fast der kleinste seinesGefolges, und doch wird Jeder sagen, der ihn auch zum ersten-male sieht, dieser und kein anderer ist der große Marschall*).

F.-M. Radetzky, obgleich am 2. November 1849 84 Jahre

alt geworden, verräth durch sein Aeußeres durchaus nicht ein sohohes Alter. Er ist nicht groß, aber kräftig gebaut, ohne jedochstark zu seyn und geht gewöhnlich sehr gerade und aufrecht mitschnellen Schritten einher. Ist er in seinem Zimmer, so hat erdie Hände gern auf dem Rücken, spricht er mit Jemand, den erwohl leiden kann, so schiebt er seinen Arm unter den des Andern,oder nimmt ihn auch bei der Hand und spaziert mit ihm aus und

ab. Seinen Kopf trägt er kaum merklich gebückt, schaut aber

frei um sich, die Züge seines Gesichtes sind das einzige, woranman sein hohes Alter erkennen kann; doch haben sie dabei einenungemein gewinnenden Ausdruck und zeigen unverkennbar das Ge-präge seiner Herzensgüte. Eben so gern wie er einen Spaß an-hört, macht er auch selbst einen; er hat einen guten Humor,und sagt seine guten Einfälle in einer Gntmüthigkeit, die hin-reißend ist; wenn er so recht heiter und vergnügt ist, namentlichwenn er lacht — und er kann recht herzlich lachen —so steigert sichder lebendige Ausdruck seines Gesichts ungemein, seine biederegroße Seele liegt in solchen Augenblicken offen da, und man siehtauf den klaren Grund seines Herzens, der rein und glänzend ist,ohne Falsch und Bitterkeit. Wenn er heftig lacht, wischt er sichmit seinem Sacktuch zuweilen die Augen. Sein Kopf ist eherrund wie länglich, seine Stirne hoch, der Blick seines Augesfreundlich und beredt, und wenn er mit Jemand spricht, sieht erihn fest an. Dieser Blick, ohne hart oder streng zu seyn, hatetwas so Ergreifendes und Gewinnendes, dabei Forschendes und

') Hackländer behauptet, Radetzky habe zu Fuß und zu Pferd so etwas Be-stimmtes und Eigenthümliches, das ihn vor allen Andern auszeichne, wiees vielleicht nur bei Friedrich dem Großen und Napoleon gewesen wäre.