kommt, und weiß das Gespräch immer mit einer freundlichenErinnerung zu beleben; auch erweckt er im hohen Grade dasZutrauen Aller, welche ihm nahen, daher bewegt sich auch dieganze Umgebung, den großen General und Staatsmann natürlichauf's Höchste achtend und verehrend, doch stets ohne Zwang undleere Förmlichkeiten um ihn. Mit den höheren und niederenOsficieren seiner Umgebung lebt der Feldmarschall auf vertrau-lichstem, angenehmsten Fuß und läßt dieselben nie in einer sie ver-letzenden Weise die Ueberlegenheit seiner Stellung und Persönlich-keit fühlen*). Mit den Soldaten umzugehen hat er eine eigeneGabe, und die Verehrung und Liebe derselben für ihn grenzt andas Unglaubliche; er spricht gern mit ihnen, tritt zu einer GruppeGrenadiere, Jäger, oder was gerade in seiner Nähe ist, erkun-digt sich nach ihren Verhältnissen, oder richtet freundlich ermun-ternde Worte an sie, rc. Oft kann man sehen, daß er zu ein-zelnen Schildwachen geht und denselben, da es ihnen verbotenist, auf dem Posten etwas anzunehmen, einige Zwanziger in diePatrontasche steckt u. dgl. m. So liebevoll und herzlich ist erbei allen Veranlassungen.
Die Lebensweise des Grasen Radetzky ist außerordentlichregelmäßig und einfach. Morgens um 5 Uhr steht er auf, nimmtseine Arbeiten vor und frühstückt seinen Kaffee um 6 Uhr mit denAdjutanten und Ordonnanz-Officieren vom Dienst. Um 10 Uhrkommt ein kleines Gabelfrühstück und um 4 Uhr Nachmittags daseinfache Diner, wozu der Feldmarschall gewöhnlich eine FlascheRothwein trinkt. Abends um 7 Uhr nimmt er seinen Thee,spielt mit einigen eingeladenen Osficieren eine Partie Tarok undgeht um 9 Uhr zu Bette, wo ihn alsbald ein gesunder Schlaferquickt, der bis zum andern Morgen dauert. Im Felde hält erdie Stunde des Abmarsches mit großer Genauigkeit, bricht wohlhie und da früher auf, aber nie später. Berichte, die einlaufen,läßt er sich meistens vorlesen, aber Alles, was abgeht, liest erselbst durch. Seine Handschrift ist nach der alten Schule, aberdeutlich und leserlich, bei Dienstsachen zeichnet er einfach: „Radetzky,"bei Courtoisie schrieb er aber: „Graf Radetzky". Oft, wenn eseilig ist, unterschreibt er seine Depeschen auf dem Knie.
Der Feldmarschall reitet fest und sicher und liebt die schnellen
*) Häufig trat er — erzählt Hackländer — mitten unter uns, wenn wirzusammen lachten oder Geschichten erzählten, oder um ein Feuer saßen,nnd mischte sich in die Unterhaltung. Er konnte es nicht leiden, wennAlles von den Sitzen aufsprang und Feldmütze und Cigarren verschwan-den. „Bleiben's sitzen, Freund," rief er dann, „machen's keine Sachen,setzt's mir die Mütze auf." In früheren Jahren, als Cavallerieofficicr,hatte er auch seine Pfeife, raucht aber jetzt nicht mehr.