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linge wenige Schritte von dem genommenen Werke; noch eineSalve, sie muß die kleine Schaar wegfegen: weit über denKöpfen der Andringenden flogen die Kugeln hin, die Baskenflohen aufgelöset ihrer ersten Stellung zu, sofort von den Ku-geln der Engländer verfolgt. Vergeblich strebten einige Officiere,den Strom aufzuhalten; mein Schweizer, der schon leicht ver-wundet nicht von der Spitze seiner Compagnie gewichen, tobte,flehete, stach in Verzweiflung auf seine fliehenden Grenadiere —zum kleinen Häuflein zusammengeschmolzen. Eine Flintenkugelstreckte ihn neben mir nieder, und kaum gelang es, ihn hinterdie schützende Höhe zu schleppen.
An neuen Angriff war nicht zu denken: das Bataillon hattemehr als die Hälfte seiner Leute, noch mehr der Officiere ver-loren. Da auch auf den andern Punkten der Linie der Kampfohne dauernden Erfolg gewesen, wenn auch mit weit geringeremVerluste der Carlisten, ward der allgemeine Rückzug anbefohlen.Um Mittag standen wieder die Vorposten sich gegenüber, ruhigmit einander rauchend und trinkend, und über den Bergenschwebte die heitere Ruhe, die ich so oft bewundert. Ein Fremd-ling hätte geglaubt, in den Schoos tiefen Friedens und Glückesversetzt zu sein.
Am Abend jenes Tages saß ich neben dem Lager des Ver-wundeten. Die rechte Brust war ihm durchbohrt, er konnte dieNacht nicht überleben; schwer athmend lag er abwechselnd inwilden Phantasien und in schlaffer, fast besinnungsloser Abspan-nung. Endlich schlug er die Augen auf, Thränen füllten sie:er faßte sanft meine Hand und sprach mit zitternd leiser Stimmevon der fernen Heimath, von den Theuren, die dort liebendseiner gedenken mochten, von seiner Mutter...! Sie ahnetewohl nicht, daß der einzige Sohn, auf das Schmerzesbett ge-streckt, der letzten unvermeidlichen Stunde so nahe sei! Noch