60
ein Mal drückte er lautlos mir die Hand. — Auch ich gedachtedes Vaterlandes, gedachte der Lieben, die ich vielleicht nie wiedersehen sollte, ich rief so manche glückliche Stunde, nun auf im-mer entflohen, mir zurück, malte mir aus, was der NordenLieblichstes beut: da gab ich der stillen, sehnsuchtsvollen Weh-muth mich hin, die in dem Glücke der Vergangenheit ein neuesGlück, noch zarter, sich schafft.
Am folgenden Morgen ward mein braver Schweizer mitmilitairischem Pompe beerdigt. Ich fühlte seinen Verlust wieden eines Freundes: im fremden Lande, im Getümmel des Krie-ges, wenn man allein unter dem kalten, theilnahmlosen Ge-schlechte dasteht, wenn rings der Tod lauert und droht, wenigAugenblicke nur dem Genuß zu gewähren — da schließen sichdie Bande auch leichter und enger, und Jeder eilt, das seltene,flüchtige Glück nicht ungenutzt zu lassen.
1
Einzelne Gefechte und Scharmützel ohne Bedeutung hatten tkaum während des ganzen Monats Juni die Unthätigkeit inGuipuzcoa unterbrochen, da unsere Streitkräfte sich größtentheilsnach andern Punkten gezogen hatten, Evans aber, ehe er zurAusdehnung seines Gebietes schritt, wohl erst das schon Genom-mene befestigen und sich dadurch einen Anhaltspunkt für denFall eines Unglücks sichern wollte. Graf Casa Eguia war durchden General Villareal im Oberbefehle ersetzt, der, Capitain un-ter Ferdinand VII. und seit dem ersten Augenblicke des Aufstan-des in seiner vaterländischen Provinz Alava thätig, das beson-dere Vertrauen Zumalacarregui's verdient hatte. In der That >zeichnete er sich als Brigade- und Divisions - Chef durch Kalt- ^blütigkeit und Bravour aus; es fehlte ihm aber ganz an demzur Leitung einer Armee nöthigen Überblicke, weshalb er in derMenge seiner Bataillone sich selbst verwickelte und sie nicht an-zuwenden wußte.