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lungen, und er hatte lebhaft gedrängt und mit schwerem Ver-luste in seinen Verschanzungen Schutz suchen muffen. Solcheverschiedene Versionen waren damals sehr gebräuchlich, und mansah wahrhaft wunderbare Dinge in dem Genre. Das Detache-ment, in dessen Hände ich gerathen, hatte sich seinem Batailloneangeschlossen und zog mit ihm nach kurzer Rast der Festung zu,wohin auch ich geführt werden sollte. Man glaubte meiner wohlganz sicher zu sein, da ich innerhalb der Linien doch schwerlichentschlüpfen konnte: so blieb ich fast ganz unbeachtet, bald ander Tete, bald weit zurück marschirend und gelegentlich mit irgend-einem Officier einige Worte wechselnd, der mit seiner Kenntnißdes Französischen paradiren wollte. Meine Gedanken schweiften ^unstät umher, bis sich bald alle in dem Streben und der Hoff- ^nung concentrirten, die Freiheit wieder zu erlangen; die Idee !schon gab mir neue Kraft und erhöhete meinen Muth. In der >That schien die Gelegenheit günstig sich darzubieten. <
Am Nachmittage machte das Bataillon in einem kleinenWeiler Halt, worauf die Soldaten, erschöpft wohl vom Kampfe ^und der Hitze des Juli-Tages, theils in den Schatten der jBäume sich niederstreckten, theils zu den Häusern eilten, Lebens- ^Mittel oder Getränk sich zu verschaffen. Eine Zeit lang saß ich §ruhig auf einem Steine, besorgt, keinen Verdacht zu erregen,spatzierte dann auf und ab und schlug, da Niemand auf michachtete, den Weg nach Sän Sebastian ein. Eine Minute spä-ter hatte ich die Heerstraße verlassen und erstieg, durch Bäumeund Gebüsch verborgen, rechts die Höhen-Reihe, die längs demMeere sich hinzieht. Das Dörfchen blieb weit unter mir linkszurück, als ich Entdeckung fürchtend in dichtem Gesträuch denAbend zu erwarten beschloß. Da lag ich in furchtbarer Span-nung regungslos. Knaben trieben, kaum zehn Schritte entfernt,ihr Vieh zu einer Lache, die nur der Busch von mir schied;dann hörte ich einen schweren Tritt langsam nahen: da zitterteich. Das Gesicht halb mit dem Basken - Barett bedeckt, stellte