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Frankreich sich zurückgezogen, weshalb ich den Ebro entlang wie-der über Miranda, Arro und Logrono nach Calahorra geführtwurde, wo General Oraa, der interimistisch den Oberbefehl über-nommen, einen Angriff auf Estella vorbereitete. Wir trafen ihnam 13. Sept. früh im Augenblicke des Abmarsches, da schon dieTruppen aufgebrochen waren. Er ertheilte Ordre, mich bis aufWeiteres in das Depot zu Logrono zu placiren, wohin ich abge-führt wurde, nachdem ich von einem Mordversuch der Soldatender Garnison gerettet war. Wie immer auf dem Marktplatzevon der müßigen Menge umringt, genoß ich ruhig die Chocolate,welche ein alter Capitain, der in Rußland Kriegsgefangenergewesen, mir übersandt. Da nahten sich fluchend mehrere Sol-daten und warfen der Escorte vor, daß sie mich nicht längstunterwegs getödtet hätten; sie schimpften auf den Ehrenmann, dermir die Chocolate geschickt: die Liberalen könnten auf der Straßeverhungern, ohne daß Jemand sich ihrer annehme. Der Lärmtobte jeden Augenblick mehr, laut ward mein Blut gefordert,schon berührten die Bajonete meine Brust, Messer funkelten: ichstrebte als braver Carlist fest zu sterben. Doch die kleine Escorte,deren Zuneigung ich erworben, drängten sich zu meinem Schutze,sie stieß die Wüthenden mit Kolbenstoßen zurück und entriß michmit Mühe dem tobenden Pöbel, der durch die Straßen bis insFreie mit Mordgeschrei uns folgte. Mehrere Verwundungenwaren vorgekommen.
Am folgenden Tage sah ich in dem zur Caserne umge-schaffenen Kloster der Jesuiten von Logrono ein kleines, reinlichesZimmer sich mir öffnen, in dem ein junger spanischer Officierin französischer Sprache sein Vergnügen ausdrückte, daß dietraurige Gefangenschaft durch so angenehme Gesellschaft ihm er-leichtert werde.