84
den Rebellen, die Widerstand leisteten, kein Pardon gegebenwerde.
In Galicien aber und in der Mancha waren die Truppender Königinn stets den realistischen Guerrillas überlegen; sie hat-ten also gar keinen Grund, ihre Neigungen zu verleugnen, undkonnten ohne Furcht und ohne Rücksicht ihr Schreckens-Systemauf den höchsten Grad treiben. Da wurde ein jeder Gefangeneund jeder carlistisch Gesinnte erschossen, ihre Angehörigen mitSchimpf vertrieben, die der Anführer nach langen Qualen ohneGnade hingemordet; da starben die neun und dreißig Verwandtedes Haupt-Chefs in der Mancha, D. Vicente Rojero — Pa-lillos —, gelobtet ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, dieFrauen bis zum letzten Augenblicke zur Befriedigung viehischerLust benutzt — das ungeborne Kind ward der zum Tode ge-schändeten Mutter, der Enkelin Palillos's, aus dem Leibe gerissenund füselirt, um keine Spur von Leben zurückzulassen;*) ge-fangene Chefs wurden in Galicien geviertheilt, die zuckendenGlieder als Trophäen über die Stadtthore ausgesteckt. Undwenn da Palillos, nur noch der Rache lebend, das furchtbare:»es sterbe alles Lebende« aussprach, wenn jene Unglückliche, zumTode getroffen in Allem, was dem Menschen theuer, was ihmheilig ist, in der Raserei der Verzweiflung nur Vernichtungathmeten und mit Wollust die Gehaßten hinopferten; — dannwurden sie der Welt als fluchwürdige Ungeheuer dargestellt, allerSchonung und allen Mitleides unwürdig!
So weit die kämpfenden Heere. Und das Volk? Es wäreeben so ermüdend als widerlich, hier in detaillirte Beschreibung
*) Auf Befehl des Commandeurs der Reserve-Armee, General Narvaez,wurden diese Gräuel im Jahr 1838 auf den höchsten Grad ge-steigert; selbst die Christines schrieen entsetzt gegen solches Übermaßder Grausamkeit.