Acht Monate waren mir in dem Kerker von Logrono ver-flossen, die Operationen der beiden Armeen hatten mit dem Ein-tritt der schöneren Jahreszeit mit mehr Lebhaftigkeit wieder be-gonnen; meine Ungeduld, da ich immer zur Unthatigkcit ver-dammt blieb, ward bei jeder Nachricht von neuem glorreichenKampfe der Meinen zu bitterer Verzweiflung. Umsonst hatteich Auswechselung gefordert: es erfolgte keine Antwort auf meineVorstellungen, die wohl in irgend einem untergeordneten Bu-reau mochten liegen geblieben sein. Da trat eines Morgens —am 8. Juni 1837 — ein Platzadjudant in mein Zimmer, michzu benachrichtigen, daß ich am folgenden Tage nach der französischcn Gränze abgeführt werde. Der Gouverneur der Provinz,ein trefflicher Mann, der nach langem Dienste im Auslandenicht ganz die Ideen und Vorurtheile seiner Landsleute theilte,hatte mir erklärt, daß er streben werde, Befehl zur Auswech-selung oder den Paß für mich zu erlangen. Auf seine Darle-gung befahl ihm Espartero, bis zu der Gränze mich escortirenzu lassen. Lange blieb ich regungslos bei der Freudenbotschaft,ich faßte nicht, glaubte nicht, was ich schon nicht mehr zu hof-fen gewagt; dann sprang ich umher in lautem sinnlosen Jubelund lachte und dankte Gott für so herrliches Geschenk. Meinsehnlichster Wunsch sollte ja endlich erfüllt werden: ich verließdiesen Kerker, aus dem Flucht unmöglich war. Wohl war ichentschlossen, das französische Gebiet nicht zu erreichen.
Am nächsten Tage durchschritt ich zwischen zwei Reihenvon Soldaten die fruchtbaren Gefilde der Nioja, welche derEbro der Länge nach bespült. Mit welcher Sehnsucht blickte ichauf die Hügel, die jenseit des Stromes sich erhebend dem car-listischcn Gebiete angehörten! Wiederholt war ich im Begriff,