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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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134
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plaudert, ^vard ich nach Spanien zurückgeleitet und mit freudi- ^gem Staunen von dem Chef des Gränzcordons begrüßt, der, ^da ich ohne Zweifel höchst unvorsichtig den französischenBoden betreten, überzeugt gewesen war, daß ich entweder auchdie Provinzen verlassen wollte oder doch von den jenseitigenBehörden an der Rückkehr würde verhindert werden.

Langsam ging ich dann, nur von einem Burschen beglei- >tet, auf Estella zurück. Wieder überstieg ich jenen Gebirgszug, Ider durch Wildheit zugleich und Anmuth sich auszeichnet, indemdie Berge über zwei Drittel ihrer Höhe mit reichem Laubholzebedeckt sind und zahllose kristallhelle Quellen aus ihnen hervor-sprudeln ; in den Thälern aber, die vielen Mais und Roggen ^erzeugen, liegen vereinzelt schöne, reinliche Städte, deren Be-wohner die echte Treuherzigkeit und Geradheit der Gebirgsvölkerentfalteten und ganz besonders gastfrei sich mir bewiesen. Dör-fer oder vereinzelte Häuser finden sich erst im Bastan wieder,wo ich auch zuerst Truppen traf, da auf dem ganzen Strichebis zu der Gränzlinie das Terrain hinlänglich gegen die Ein-fälle der Feinde sicherte. Schon hatte ich auch den hohen Rückenüberschritten, der das Bastan - vom Ulzama-Thale scheidet, undich ruhte vom beschwerlichen Marsche in einem der großen, ganzcarlistisch gesinnten Dörfer dieses Thales, von dem oft nichteine Stunde entfernt die feindliche Linie sich hinzog. Nachdemich mit meinem Wirthe, einem reichen Bauer, über den Kriegund die Angelegenheiten der Provinzen, unerschöpflichen Stoffder Unterhaltung, geplaudert, suchte ich das Bett auf und schliefbald fest auf fünf oder sechs über einander gethürmten Woll-matratzen, während der Bediente in einem Winkel des an mei-nen Alkoven stoßenden Zimmers sein Lager ausbreitete.

Mitternacht mochte vorbei sein, als ein dumpfes Geräuschauf der Straße mich weckte; zugleich stürzte eine weibliche Ge-stalt mit fliegendem Haare, in ein langes weißes Hemd geklei-det und ein brennendes Licht in der Hand, in das Gemach;