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mich kurz halten machten. Die Cavallerie, da sie mich fortwäh-rend allein sah, hielt auch an und kehrte bald zögernd gegenmich zurück: ich wandte halb mein Pferd und forderte den Ca-pitain, der an der Spitze seiner Leute ritt, auf, allein vorzu-kommen; da er aber von der ganzen Schaar begleitet heran-sprengte, jagte ich davon, sofort mit furchtbarem Geschrei vondem Feinde verfolgt. Ehe er indessen die Biegung passirte,hielt er nochmals an, wohl ungewiß, ob nicht Truppen dahin-ter standen, wodurch ich einen kleinen Borsprung gewann. Alsaber die Lanciers dann, so weit ihr Blick reichte, kein carlisti-sches Barett sahen, da war ihr Muth plötzlich wiedergekehrt,und in wilder Jagd tobten sie die Straße hinab hinter mirher. Ich konnte auf meinen Renner vertrauen und erkannteihn bald den Pferden der Feinde überlegen, während die Heckenund Weingärten diese zwangen, vereint auf der Straße zu blei-ben; so sah ich sie mit Freude mir folgen und bemühte michnur, möglichst die Kräfte meines Thieres zu schonen.
Endlich nach halbstündigem Lauf sah ich das Detachementmir nahe; die Infanterie nahm eine Stellung auf einem Hügelein, die Pferde postirten sich auf die Straße, ihre ganze Breiteeinnehmend. Doch bald erkannte ich an den Reitern jeneschwankende Bewegung, das unruhige Bor- und Zurückpralleneinzelner Pferde, die stets das sichere Vorzeichen augenblicklicherFlucht sind. Ich fühlte mich erbleichen: die ganze Last der Ver-antwortlichkeit siel mir auf das Herz, wie sie mich treffen mußte,wenn meine Reiter zur Division flohen und die Infanterie ver-lassen zurückblieb. Da konnte nur schneller Entschluß retten.Verzweifelt riß ich das Pferd herum und stürzte mit g ezücktemSä belauf den feindlichen Rittmeister, der, wenige Schritte hin-ter mir, seinen Leuten bedeutend voraus war. Überrascht wicher und warf sich unter die Lanciers. Mein Zweck war erreicht;denn weine Reiter, durch den raschen Akt ermuthigt, chargirten,und die Feinde flohen verwirrt zurück. Bis dicht vor die Stadt
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