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Um 9 Uhr langte die Division nach vorsichtigem Marscheauf dem Ufer des Ebro an. Die Furth von Mendavia, zwi-schen den feindlichen Festungen von Logrono und Lodosa gele-gen, war zum Übergangspunkte ausersehen; doch erklärten dieFührer alsbald, daß der durch häufige Gcbirgsregcn angeschwol-lene Fluß diese Furth, die beste der ganzen Gegend, ungangbargemacht habe. Eine zweite, etwas höher liegend, ward fast ohneHoffnung auf Erfolg aufgesucht, und bald durchlief die Reihenin leisem Gemurmcl die Nachricht, daß der Übergang schwer,aber möglich fei. Gerade um diese Zeit verkündeten die Ma-drider Zeitungen jubelnd, wie nun schon der Ebro, die sichersteSchutzwchr der christinoschen Provinzen, den drohend vorbereite-ten Einfällen der Carlisten auf lange Zeit eine unübersteiglichcBarriere entgegensetze. Schnell zeigten wir ihnen, daß solcheHindernisse den Muth unserer braven Freiwilligen nicht brechenkonnten, daß sie die Fluthen des mit der Winterkälte verbünde-ten Stromes zu überwinden vermochten, wie sie sich nicht scheu-ten, den Massen der Revolutionshccre zu trotzen.
Es war eine jener trüben, stürmisch kalten Nächte, welchein den Gebirgen Spanien's so oft in nordisches Clima uns zuversetzen schienen. Finsteres Gewölk, schwer auf einander ge-thürmt, durchflog den Horizont, tausend phantastische Gebildean einander reihend, zwischen denen hie und da der matte Scheineines Sternes blinkte. Schneidender Nordostwind führte vonden Schneegesilden der Pyrenäen erstarrende Kälte uns zu,während vor uns laut brausend der Ebro seine Wassermassendahin walzte, aus denen die Wogen durch das Aufzischen wei-ßen Schaumes aus der dunkeln Flache hervortraten, deren Gränzedie Schatten der Nacht dem ängstlich forschenden Auge verhüll-ten. Regungslos standen die Bataillone in Colonnen formirtauf dem Ufer, mit stummen Grauen aus das Rauschen dermächtigen Wasser horchend; ich gedachte der Lieben in der schö-nen friedlichen Heimath: ob ich wohl je sie wieder in die Arme