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Blutstropfen zu vergießen. Die andere Parthei nannte sichgemäßigt: sie widmete sich der Vertheidigung Carls V., umihre persönlichen Zwecke und Interessen zu fördern, sie betrach-tete und betrieb den Krieg als Mittel der Bereicherung, derGröße; sie strebte, möge nun Legitimität oder Usurpation denSieg davontragen, für sich möglichst fette Bissen zu sichern.Ihr schlössen viele Wohlmeinende sich an, theils kurzsichtig undgetäuscht, theils aus schwacher Verzagtheit. Wie empfehlungs-werth und wohlthätig in den gewöhnlichen Verhältnissen des Lebensdie Mäßigung auch sein mag, sie wird nicht selten als schönes Deck-wort der Schwäche, der Verderbtheit benutzt und muß denen alsSchild dienen, die offen zum Kampf nicht vortreten mögen. Esgiebt Umstände, in denen Mäßigung unvermeidliches Verder-ben bringen, »Alles oder Nichts« der Wahlspruch sein muß,da, wer mit Etwas sich begnügen wollte, bald auch dieses Et-was sich entrungen sehen würde. In solchem Falle fanden sichdie Carlisten.
An der Spitze der ersten Parthei standen Männer, die seitdem Beginn des Krieges in Treue und Heldenmuth sich her-vorgethan; sie wollten ihren König ganz als solchen, daher keineTransactionen, keine Unterhandlungen, Sieg oder Tod! Freilichzählten sich ihnen auch solche zu, die, nur Fanatismus kennendund blind ihren Leidenschaften folgend, durch Gräuel die Sacheschändeten, welche ihr entschlossener Muth hob; doch bliebendiese stets in geringer Zahl und ohne Einfluß auf das Ganze.Die Gemäßigten verzagend am Erfolge, der so lange schon strei-tig, oder um das Errungene zu sichern und zu genießen, schlu-gen Aussöhnung vor und Nachgeben in einzelnen Punkten: dieArmen, wie wenig kannten sie Spaniens Revolutions-Männer!Nebst dem Padre Cyrilo, Erzbischof von Cuba, leitete sie Ma-roto, nun an die Spitze des Heeres gestellt, und gewandt wuß-ten sie die geistesstarke Princessin von Beira, mit der Carl V.sich zu vermählen gut fand, über ihre Zwecke zu täuschen und