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sie ganz für sich zu gewinnen. Haryso's Plane aber gingenweiter, als selbst die große Zahl der ihm Verbundenen es ah-mte; vielleicht ließ er sich, da die ersten Schritte gethan, hin-reißen zu dem, was er nie gewollt, da der Rücktritt schwer, dieLockung groß, ihm unwiderstehlich sein mochte. Er verkauftesich, verkaufte das ihm anvertraute Heer, das Land, den Königselbst, der so hoch ihn gehoben hatte; er ward zum,Verräth»! —Ehe er aber den entscheidenden Schritt thun konnte, mußte ervon jenen Männern sich befreien, die, treu bis zum Tode ihremHerrscher ergeben, offen als Gegner sich ihm darstellten, dieseine Gesinnungen, seine Maßregeln durchschauten und ihnenentgegen arbeiteten. Maroto ward alles leicht, was förderlichwar: die Edlen starben von Henkershand, und triumphirendvollendete der Verrath sein Werk.
Maroto's erstes Auftreten war seinen Talenten angemessenund wohl geeignet, die Blicke Aller aus ihn zu ziehen und selbstden Heller Sehenden hohe Hoffnungen zu erwecken. Die Dis-ciplin war gänzlich erschlafft; Wochen reichten dem neuen Ober-general hin, strenge wie nie zuvor sie herzustellen- Seine Kraft-maßregeln beugten die Widerspenstigen, einige leichte Unruhenwurden fest unterdrückt und gerügt, die kleinsten Fehler gegendie Kriegszucht hart geahndet; selbst das Mißtrauen, den Haß,der zwischen Basken und Castilianern geherrscht und so oft inblutigen Zwisten sich Luft gemacht hatte, wußte seine Ener-gie zu verdecken, wenn nicht auszurotten.
Der Zufall wollte, daß in dem Augenblicke seiner Ernen-nung zum Generalate eine bedeutende Summe, von eines edlenFürsten Hand — wohl zu bessern: Zwecke — gespendet, dieseit langer Zeit leeren Cassen gefüllt hatte, und Maroto wußtesie trefflich für seine Pläne zu benutzen. Er bedurfte der Liebeund des Vertrauens der Soldaten. Wahrend er also sie gehorchen
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