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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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gestanden werden soll.« Als Repressalie aber für den Tod, »derBesten der Mütter« ordnete er an, daß sofort die Gemahlinn desObersten Fontiveros, Gouverneurs von Chelva, die so eben indie Hände der Carlisten gefallen war, und mit ihr andere dreiFrauen erschossen würden, sich vorbehaltend, zu gleichem Zweckeandere dreißig Frauen zu bezeichnen. Für jedes neue Schlacht-opfer christinoscher Grausamkeit sollten aber von nun an zehnder Ihrigen als Sühne fallen.

Dann stürzte Cabrera zur Rache, und in wenigen Tagenhatte der verzweifelnde Anführer Fort auf Fort vom Feinde er-obert, und Alles, was lebte, siel unter seinem Schwerdte. OberstFontiveros aber, er, der am schwersten gelitten, sprach in einerBittschrift an seine Herrscherinn den Mann, auf dessen Befehlseine Gattinn gestorben, frei von jeder Schuld und verlangtemit kraftvoller Beredtsamkeit die Bestrafung der Ungeheuer, wel-che durch den einen gräßlichen Frevel so viel Wehe hervorge-rufen hatten.

Und Cabrera? Wenige Monate, nachdem er das Werdam-mungsurtheil über Alles, was Christina angehörte, ausgesprochen,da kaum die erste, wilde Leidenschaft des unendlichen Schmer-zes verraucht war, da hören wir ihn wieder die Sprache derMäßigung und Menschlichkeit reden, da erläßt er wieder Rund-schreiben, ähnlich den früheren, an die feindlichen Befehlshaberund spricht seinen Wunsch aus, dem blutigen Repressalien - Sy-steme ein Ende zu machen, von ihren Maßregeln es abhängigmachend, ob das Leben der Gefangenen geheiligt sei oder nicht.Und bald nachher, da er durch die Wegnahme einiger befestigtenPosten in Aragon über 700 Gefangene im Depot hatte,*) rich-

") Der General Baron von Rahden irrt, da er in seinem Werkeüber Cabrera sagt, daß dieser zu Cordova die ersten Gefangenennach seiner Mutter Ermordung gemacht habe.