354
nen — besetzten und durch geeignete Maßregeln die strengsteBlokade etablirten.
Ich will nicht den Ereignissen derselben in ihren Detailsfolgen; Ungeheures litten die wackern Castilianer. In elendeLumpen gehüllt, ohne sie auch nur wechseln zu können, warensie fortwährend der rauhen Kälte, dem eisigen Schnee des Hoch-gebirges ausgesetzt; in der ganz verwüsteten Landschaft — dabei dem Mangel jenes Winters die Magazine nichts lieferten —konnten die nöthigen Lebensmittel nicht aufgetrieben werden,und Wochen lang waren die Armen aus wenig Brod und wenigeBohnen beschränkt; die Mehrzahl ging bald barfuß, da wederSchuhe noch Sandalen zum Ersatze der abgerissenen sich fanden.Dazu machte die vier Mal so starke Garnison fast täglich Aus-fälle mit einigen leichten Geschützen, theils die Masadas, daseinzige Obdach der Carlisten, zu zerstören, theils mit der Ab-sicht, das fehlende Brennholz sich zu verschaffen. Selten gelangdas Eine oder das Andere, da die Castilianer, rasch dem bedro-hten Punkt — es war nur ein Thor der Festung offen — zuHülse fliegend, mit fabelhaft scheinender Unerschrockenheit immerkraftvoll den Andrang empfingen, oft die Übermacht in wilderFlucht bis zum Fuße der Mauern jagten, da das gebrocheneTerrain das Feuer der Festung den Tirailleurs ganz unschädlichmachte.
Und die braven Burschen murrten nicht- Lauter unbärtigeJünglinge sahen sie mit Liebe und Vertrauen auf die erprobtenFührer, welche sie jedes Ungemach mit ihnen theilen und imKampfe stets die ersten der Gefahr sich aussetzen sahen. Derherrliche Character der Alt-Castilianer, ihre biedere Treuherzig-keit, ihre Ausdauer und die aufopferndste Anhänglichkeit undGehorsam gegen ihre Vorgesetzten verleugneten sich auch hiernicht.