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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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Niedrigkeit zu ahnen, bis zum letzten Augenblicke das künstlichum ihn geworfene Gewebe nicht durchschaute, und daß er dann,als zu spät die Wahrheit ihm klar ward, die Besonnenheit ver-lor und zagend floh, wo

die Schandthat zwar nicht mehr verhüten, aber doch ihreWirkungen schwächen und sie weniger entscheidend machen konn-ten. Anstatt, da er nicht mehr auf dem bisherigen Kriegs-theater sich halten konnte, an der Spitze der ihm gebliebenen,stets entschieden treuen Bataillone zur Bereinigung mit denArmeen sich durchzuschlagen, welche in Catalonien und Aragonfür ihn kämpften, ließ per König nach der Gränze von Frank-reich sie zusammendrängen und zog sich endlich mit ihnxn indieses Königreich zurück.

Nach so bitterer Täuschung an Allem verzweiflend bewogihn sein immer gleich milder und christlicher Charakter, ferneresBlutvergießen zu vermeiden. Ich wiederhole mit tiefem Schmerze:die Eigenschaften Carls V. hätten ihn zum großen, Segen spen-denden Monarchen gemacht, wenn ihm gegeben wäre, in ruhigererZeit friedlich sein Volk zu regieren. Das Schicksal wies ihmeinen Platz an, der eiserne Brust und eisernen Willen erforderte.

Doch betrachten wir näher die Ereignisse, welche die Herr-schaft der Carlisten in den baskischen Provinzen vernichtetenund ihre Hoffnungen, die so schön erblüheten, auf immer brachen,da durch sie auch die Anstrengungen der Braven unnütz gemachtwurden, die im Osten Spaniens so erfolgreich für die Rechteihres Königs stritten und zur Vollendung des von den BaskenBegonnenen bestimmt schienen. Schwer wird es mir wahrlich,meine Blicke auf jene Zeit des Berbrechens und des Unter-ganges zu heften und mit Ruhe zu detailliren, wie der erkaufteFeldherr den Verrath vorbereitete und ausführte.

Jeder edel Denkende aber, welcher politischen Meinung erauch sei, mag er nun Carl V. als dem rechtmäßigen SouverainSpaniens oder den Anhängern der Tochter Ferdinand's, wähnend,

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