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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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steten Begleiterinnen. Die Ufer des Ebro wären wahrlichein Paradies, wenn der Mensch nicht sie bewohnte.

Am vierten Lage des Marsches erreichten wir Flix, nächstMora dc Ebro der wichtigste Übergangspunkt über den Strom,welchen die (artistische Armee inne hatte, und seit kurzem leichtbefestigt, um es gegen einen ooup äs mm'n, besonders von dernahen Festung Mequinenza, zu sichern. Für die Verbindungmit Catalonien waren jene Punkte natürlich von hoher Wich-tigkeit.

Wir waren genöthigt, in Flix zu rasten, da gerade einefeindliche Division in unserer Marschlinie auf Berga, die Haupt-stadt des carlistischen Catalonien's, sich befand und jede Cvm-munication interceptirte. Erst am 19. Oktober zeigte der Gou-verneur, höchste Vorsicht empfehlend, mir an, daß ich mit eini-ger Hoffnung auf Erfolg die Reise antreten könne, und da ichden Abmarsch eines Detachements, welches in wenigen Tagenaufbrechen sollte, nicht abwarten mochte, pafsirte ich mit denbeiden Gefährten und meinem Burschen noch an demselben Lageden Fluß.

Als die Fähre langsam die spielenden Wellen durchschnitt,gedachte ich der Zeit, da ich fast zwei Jahre früher den gewal-tigen Strom überschritt. Es war in den letzten Tagen desJahres, und im Dunkel der Winternacht mußten wir in diebrausenden Fluthen uns stürzen; denn das Wasser, nicht wiehier sanft und einladend, stürmte mit wildem Toben einherund riß die durch seine grimme Kalte Erstarrten mit sich fortzu schrecklichem Tode. Wie mancher brave Gefährte fand da zufrüh sein Grab! Und ich gedachte der-Tage, die seitdem ver-flossen waren, in denen so Vieles mich traf, Gutes wie Übel;ich durchlebte wieder auf den Flügeln des Gedankens Leiden, und Gefecht, das traurige Schmerzenlager nach schwerer Vcr-^ wundung, die gräßliche, hoffnungs- und thatenlose Gefangen-^ schaft, dann die Befreiung und wieder die Scenen des Kam-

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