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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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den Vorurteilen. Noch immer hängen sie mit Vorliebe, die injeder Hütte wie eine alte Sage vom Vater auf die Söhne über-tragen wird, an dem Hause Östreich, für das sie einst so hartgekämpft, so schwer gelitten haben; noch immer hoffen sie, wie-der den östreichischen Stamm über sich herrschen zu sehen, undjeder ^.u8triavo ist sicher, bis in die fernsten Gebirge hin Wohl-wollen und freundlichste Aufnahme zu finden. Der Franzoseaber, der verachtete Oavaollo, findet nur Haß und nicht seltenmartervollen Tod.

Das Fürstenthum muß als aus zwei in mancher Hinsichtsehr verschiedenartigen Theilen bestehend angesehen werden. DasFlach- oder Küstenland, ganz hügelig, im Süden dem Ebroentlang und im Osten längs dem Ufer des Meeres sich er-streckend, ist mit zahllosen Städten bedeckt, die durch den Han-del zu den reichsten der Halbinsel gemacht sind. Dort blühenManufakturen und Fabriken, die Wissenschaften sind in hohemSchwünge, und das Land zeichnet sich aus durch das lieblichsteKlima, welches alle Arten Südfrüchte in Fülle hervorbringt.Dort auch sind die festen Platze der Provinz, dort herrschtenstets die Statthalter Christina's, und die Einwohner, wieüberall, wo der Handel blühete, wenn nicht vorzugsweise derHerrschaft des Liberalismus geneigt, waren doch gleichgültigergegen das Streben der royalistischen Parthei. Sie wollten Frie-den, unter wem es auch sei.

Wenn man aber in die Gebirge sich vertieft, die von denPyrenäen wild verschlungen gen Süden sich hinziehen, dengrößten Theil des Fürstenthumes bedeckend, nehmen alsbaldLand und Bewohner einen andern Charakter an. Die Luftwird rauh; anstatt der Weingärten und Olivenhaine bedeckendichte Eichenwaldungcn die Bergrücken und umgeben Getreide-felder die zahlreichen Dörfer. Große Städte werden seltenerund fallen endlich ganz weg, wogegen kleinere Ortschaften undvor allen die einzelnen Gehöfte zunehmen, welche überall durch