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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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sein König ihm vorgesetzt hatte; er stellte sich selbst als Mit-schuldigen dar, indem er die Thäter unbestraft ließ, die höchstenStellen ihnen anvertraute und ganz ihrer Leitung folgte. Ergab sich endlich der Verachtung preis und erlaubte, auch dasNiedrigste, das Entehrendste von ihm zu glauben, da er, als dieSache der Legitimität hoffnungslos im letzten Todeszucken lag,seines Eides und seiner Ehre uncingedenk, die unterliegendenGefährten verließ und ein Verräther dem übermüthigen, über-mächtigen Feinde sich anschloß, wohl von des Grasen von Mo-rella Hand die Strafe jenes Verbrechens fürchtend. So weitführt Schwäche!

Noch an demselben Tage erfuhr ich im Vertrauen durcheinen mir bekannten Officier, der einem Vocale der Junta ver-wandt war, daß der>Graf auf königlichen Befehl abgesetzt undnach Frankreich geführt sei. Es war ein harter Schlag! Ichseufzte tief, denn ich würdigte den ungeheuren Verlust, den un-sere schon so vertheidigungslvse Sache dadurch erlitt; aber derKönig befahl, da mußte jede andere Rücksicht schweigen. Am fol-genden Morgen ging ich, dem General Segarra mich vorzustellenund seine Ordres zu empfangen. Der Saal war mit Officierenjedes Grades und Civilisten gefüllt, von denen viele, die zweiTage vorher tief zur Erde die Voyna vor mir gesenkt und mirtausendfach wiederholte Dienstanerbietungen gemacht hatten, jetztfinster mich anschauten und höhnisch unter einander zischelten.

Ich nahm so wenig Notiz von ihren Impertinenzen, wieich früher ihre Schmeicheleien berücksichtigt hatte; auch ward ichvon einem Obersten, der bei meinem Eintritt in das Cabinettdes Generals gegangen war, bald dorthin beschieden. Segarra,vor einem Lehnstuhle stehend, begrüßte mich sehr artig. SeineMagerkeit und Blässe, wie die Haltung des leidend nach vorn