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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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XXXV

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Eintönig und langsam, wiewohl in ununterbrochener Thä-tigkeit, vergingen mir die ersten drei Monate des neuen Jahres:eintönig, da die Leitung der Arbeiten und die fortwährendenReisen von Morella nach Willarluengo und Cantavieja wäh-rend der letzten sechs Wochen unter stetem Schneegestöber garwenig Abwechselung darboten; langsam, denn ich sehnte mit derganzen Gluth der Seele den Augenblick herbei, in dem Esparteroseine Batterien gegen uns errichten würde. Unsere Vernichtungwar, besonders bei dem Zustande des Generals, nur zu hoffungs-los gewiß; daher wünschte ich, daß die Stunde der Entscheidung,was sie auch bringen möge, rasch da sei.

Dabei war die Lebensweise in Morella keinesweges ange-nehm zu nennen. Die Rationen waren sehr spärlich, und an-dere Lebensmittel selten zu erhalten; noch schlimmer aber war,daß ich gar keinen Anspruch auf Gehalt hatte, da die Inten-dantur das ganz zwecklose System eingeführt hatte, von den imRückstände befindlichen Monaten immer den am längsten ver-flossenen nach den in ihm eingereichten Listen der Corps auszu-zahlen , so daß z. B. im Januar 1840 der Sold des MonatsApril 1839 bezahlt wurde. Dadurch blieben sehr viele Officiereund Soldaten, welche zu jener Zeit noch nicht im Dienste, oderwie ich gefangen gewesen waren, und selbst die, welche damalseiner andern Armee angehörten, ganz ohne Gehalt auf dieRationen beschränkt, bis vielleicht nach Jahren die Zeit, in dersie dienten, zur Auszahlung kommen würde. Dagegen erhieltendie Corps den Gehalt aller während jener neun Monate Ge-tödteten und Desertirten, weil deren Namen auf der Liste sichbefanden, was denn die meisten Commandeure, da NiemandAnsprüche daraus machte, zur eigenen Bereicherung oder, wenn