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ging. Die Kindlichkeit, mit der der Bursche in Thränen er-zählte, wie er nur seine arme alte Mutter einmal habe sehenwollen, und reuevoll auf den Knieen versprach, gewiß immerder beste Soldat Carls V. zu sein, wenn ich das Leben ihmschenke, ftappirte mich so ungemein, daß ich ihn in Freiheitsetzte und selbst bald zu meinem Bedienten wählte, nachdem ichihn geprüft hatte. — Meine Wahl reute mich nie: als Allemich verließen, blieb er allein mir treu!
Da aber fortwährend die Desertionen in allen Waffen-gattungen sich häuften — die armen Teufel schienen zu fühlen,daß die Stunde des Unterganges uns nahete — mußte noth-wendig ein Beispiel aufgestellt werden, weshalb ich am 16.Mai mit 80 Sappeurs und 12 Pferden nach der Mancha auf-brach, wo mehrere Deserteurs den Anzeigen unserer Kundschaf-ter gemäß sich aufhalten sollten. Auch da ging es wie bei mei-nem früheren Zuge; ich wurde hart verfolgt und verlor selbst imGefechte mit einer kleinen feindlichen Colonne drei Sappeurs,deren Tod jedoch schwer gerächt wurde. Einem Detachement, wel-ches ich nach Moya hineinjagte, nahm ich fünf mit Wein be-ladene Maulthiere ab, durchzog die Provinz Cuenca und dennordöstlichen Theil der Mancha, überall die rückständigen Contri-butionen erhebend, und kehrte mit einem bedeutenden Convoyam 27. nach Canete zurück. Nur einen Deserteur von der' Infanterie brachte ich zurück, da ein anderer vom Sappeurs-corps unterwegs wieder entkommen war.
finden. Unzählige Male war ich bei Carlisten und Christines Zeuge,daß der Anführer einen bei einem Diebstahl ertappten oder insubor-dinirten Soldaten und selbst Bauern, die des Spionirens ver-dächtig waren oder, wie so oft, gezwungen für den FeindPapiere überbringen mußten, augenblicklich niederknieen und füsili-ren ließ. — Früher erwähnte ich, daß ich als unabhängiger Corps-Chef dastand.