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als ein zweiter Kerl, in einen zerlumpten rothen Mantel ge-hüllt, sich uns zugesellte und auf meine andere Seite trat;eine kleine Strecke weiter trafen wir zwei ähnliche Menschenim Chausseegrabcn sitzend, welche bei unserer Annäherung sicherhoben.
Da befahl plötzlich der Rothmantel: »Nehmet diesem Men-schen das Bündel und bindet ihm die Hände!« Verächtlich lä-chelnd hielt ich das Packet hin, indem ich nur einige Papiere zubergen suchte, als, ehe noch die Beiden herzugetreten waren,der Bandit eine Pistole unter dem Mantel hervorzog. Ein jäherSchreck durchzuckte mich: Meuchelmord! Ich versuchte, durchVersprechungen die Gefahr abzuwenden, aber ruhig den Hahnspannend, hielt er mit den Worten: »oarcho, ich habe langeLust, solch' Einen zu todten« die Pistole mir auf die Brust.Blitzschnell wandte ich mich um, und das Packet flog demMörder an den Kopf in dem Augenblicke, da der Schuß ertönte:mein Arm sank blutend an der Seite nieder, aber unaufgehal-ten flog ich der Stadt zu. Die Kugel, durch die rasche Be-wegung das Ziel verfehlend, streifte nur längs der Brust, drangin die Schulter und durchbohrte den rechten Oberarm.
Schon erschöpft durch Blutverlust und Schmerzen erreichteich die Thorwache, von wo ich zum Gouverneur und dann indas Hospital getragen wurde. Durch seltenen Zufall hatte dieKugel weder die Arterie noch den Knochen bedeutend verletzt, dadoch beide gestreift waren und das Hindurchgleitcn zwischenihnen und den Sehnen, von denen einige halb abgeschnittenwaren, nach dem Ausspruche der Ärzte ein Wunder schien.
Nach sechs Wochen konnte ich das Hospital verlassen. DerGouverneur erklärte mir, daß seine Bemühungen, die Meuchel-mörder zu entdecken, fruchtlos gewesen seien; das mir Geraubte,worunter viele wichtige Andenken aus den letzten vier Jahren,Notizen und Effecten, war unwiederbringlich verloren. Währendmeines Aufenthaltes im Hospitale wurden übrigens über zwan-