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Bericht über Schlachthäuser und Viehmärkte in Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, England und der Schweiz : im Auftrage des Magistrats der königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin erstattet / von Julius Hennicke
Entstehung
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Klasse der feuergefährlichen und unsauberen gewerblichen Anlagen,deren Betrieb nur in grofser Entfernung von bewohnten Stadtgegendengeduldet wird. In den meisten Schlachthäusern stehen daher die früherdazu bestimmten Räume leer. Nicht allein das Schmelzen, sondernauch das rohe Fett selbst, welches im Sommer schnell in Fäulnifs über-geht, verbreitet die furchtbarsten Gerüche. Durch Anwendung vonDampfapparaten und Aufbewahrung der Fetttheile in Kellern läfst sichjedoch ziemlich genügende Abhülfe schaffen.

Da diese Anlagen gewöhnlich auf gemeinschaftliche Rechnung dersämmtlichen Schlächter betrieben werden, und die sehr vortheilhafteVerwerthung vieler, einen weiten Transport nicht vertragender Abfällegestatten, so erscheint es nothwendig, sie im Zusammenhänge mit denSchlachthäusern zu erhalten und durch verbesserte Einrichtung den er-wähnten Uebelständen abzuhelfen.

In gleicher Beziehung bietet die Nutzbarmachung des Blutes, wel-ches für viele Zweige der Technik eine aufserordentliche Bedeutunggewonnen hat, bauliche Schwierigkeiten.

Das Albumin enthaltende Blutwasser, von hohem Werth für dieKattundruckerei, wird sorgfältig geschieden und der Rückstand zurDüngerbereitung und neuerdings zur Fabrikation des bois durci ver-wendet. Ein Gemisch von Blut und feingemahlenem Holzpulverwird getrocknet, in die metallene Form des zu bildenden Gegenstandesgeprefst und stark darin erhitzt, dann langsam abgekühlt, giebt es einMaterial, dem sculpirten Ebenholz täufcliend ähnlich. Aus den Ateliersder Societe de bois durci, Paris , Rue du Chantier, gehen die reizend-sten Kunstgegenstände hervor, welche ihre Entstehung den Eigenschaf-ten des Blutes verdanken.

Das Blut, wovon ein Stier etwa 50 Pfund und ein Hammel 4 Pfundenthält, verwerthet sich pro Pfund mit 1 Centime. Die vielen MillionenPfunde, welche alljährlich in Paris gewonnen werden, geben dahereine sehr erhebliche Ertragsziffer.

7) Ein Schlachthaus erfordert ferner Wohnräume für mindestenszwei Beamte und Geschäftslocale für die Verwaltung, für den Arzt,welcher das Fleisch untersucht, zuweilen auch für die Steuer-Controlle.

Gewöhnlich befindet sich zu jeder Seite des Einganges ein Ge-bäude, welches für diese Zwecke eingerichtet ist.

Pferdeställe und offene Wagensclmppen (hangars), Dungstätten,Wasserreservoir, Maschinenhaus und Eiskeller sind weitere Bedürfnisseeiner vollständigen Anlage.

Besondere Aufmerksamkeit ist der Be- und Entwässerung zu wid-men. Der Wasserverbrauch darf keinerlei Beschränkung unterworfenwerden. Zahlreiche Wasserstöcke. beständig fliefsende Brunnen undBassins müssen zur verschwenderischen Benutzung anregen. 500 QuartWasser sind pro Kopf des Rindviehs und dem entsprechende Quantitätfür das Kleinvieh zu berechnen. Die 10 Schlachthäuser von Paris ver-brauchen 810,000 Quart pro Tag; auf die Zahl der geschlachteten Thierevertheilt, giebt dies einen täglichen Durchschnitts - Verbrauch von120 Quart pro Kopf.

Die nachstehenden Beschreibungen und Zeichnungen der haupt-sächlichsten Schlachthäuser französischer und belgischer Städte, sowieder Anlagen von Mailand und Wien zeigen, inwieweit und in welcherWeise diese allgemeinen Bedingungen im einzelnen Falle erfüllt sind.

Die Art des Tödtens der Thiere und die Behandlung des Fleischesist fast in allen Ländern dieselbe.

Die ärztliche Untersuchung wird am strengsten in Italien durch-geführt, doch darf auch aus den meisten französischen Abattoirs nur vondem Arzte abgestempeltes Fleisch verkauft werden.

Allgemein verbreitet ist das Tödten der Thiere durch einen Sclilao-vor die Stirn. Der geübte Schlächter schlägt nur einmal, öffnet danndie Kehlkopfader und läfst das Blut ausfliefsen. Spa-" nisclie und auch einzelne französische Abatteuretödten durch ein kurzes Stilet, mit geschickter Handin das Genick des Thieres gestofsen.

Die Londoner Schlächter bedienen sich mit aufser-ordentlicher Sicherheit eines kleinen eisernen Ham-mers. Das abgestumpfte Ende (a auf der neben-stehenden Skizze) ist rund und nach innen ausgehöhlt.Mit der Krücke wird der Kopf des Thieres, wel-ches nur leicht gefesselt dasteht, am Horn gefafst,für einen Augenblick in die rechte Stellung gebracht,dann ein kräftiger Schlag, das gehöhlte Eisen durch-bohrt die Stirn wie eine Büchsenkugel und dasstärkste Rind stürzt ohne einen Laut getödtet nieder.Die Zuckungen endet ein langer Stahl, welcher durchdas Loch ins Gehirn gestofsen wird.

In den meisten Schlachthäusern geschieht dasTödten der Thiere nicht durch die Schlächter oder

deren Gesellen, sondern durch Abatteure, welche auch die Häute ab-zielien und pro Stück eine bestimmte Entschädigung erhalten.

Diese Leute, denen es Ehrensache ist, stets mit einem Schlagezu tödten, eignen sich eine Fertigkeit an, welche jede Thierquälereiausschliefst.

2. Viehmärkte.

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Im Allgemeinen ist über die Anlage und Einrichtung von Vieh-märkten wenig zu berichten. Es giebt überhaupt nur eine zweckmäfsigeund grofsartige Anlage, derMetropolitan Cattle Market zu London ,dessen Beschreibung und Zeichnung weiterhin folgt. Alle gröfsernenglischen und die meisten holländischen, belgischen, französischen unddeutschen Städte haben zwar Viehmärkte, doch bieten in baulicherBeziehung deren Anlagen kein besonderes Interesse. Aufser Hamburg ; und Lyon verdient keiner nähere Erwähnung. Der im Bau begriffenePariser Central-Viehmarkt ist vorläufig nur nach den Plänen zu beur-theilen.

Trockene und luftige Lage, nicht zu entfernt, aber aufser der Stadt,genügende Wasserversorgung und Entwässerung, Schienenverbindungi mit den Bahnhöfen und den Quais der Flüsse oder Häfen, unmittelbare[I Verbindung mit Schlachthäusern, das sind die allgemeinen Erforder-ji nisse eines Viehmarkts.

!j Die Gröfse des Flächenraums berechnet sich leicht nach der Zahl

der Thiere, welche aufgetrieben werden. Verkehrswege müssen breitund die Zugänge möglichst bequem angelegt sein,j: Die Ueberdeckung sämmtliclier Stände ist wünschenswerth und

; ! wird bei den neueren Anlagen eingeführt, die altern haben nur fürjj Kälber und Schweine Verkaufshallen, während die Rinder und Schafeunter freiem Himmel stehen.

;i Das Bediirfnifs nach festen Stallungen richtet sich nach den ört-

lichen Verhältnissen und Gewohnheiten.

Es würde zwecklos das Material dieses Reise-Berichtes vermehrthaben, wenn die Zeichnungen und Beschreibungen aller Anlagen bei-gefügt würden, welche auf der Reise besichtigt werden mufsten, umein persönliches Urtheil über ihren Werth zu gewinnen. Oftmalsentsprachen die Etablissements keineswegs ihrem weit verbreiteten Ruf.So war dies namentlich mit den irländischen Schlächtereien der Fall.Die Stadt Cork ist in aller Welt als erster Platz für den Handel mitSchweinen bekannt und die Grofsartigkeit der Schlachthäuser wurde inganz England gerühmt, dennoch stehen sie nicht allein in baulicherEinrichtung, sondern auch im Umfange der Geschäfte den HamburgerEtablissements entschieden nach.

Die Zeichnungen sind mit Ausnahme der, welche das Schlacht-haus zu Rouen und das Schweine - Schlachthaus Chateau Landon zuParis darstellen, sämmtlich an Ort und Stelle aufgenommen, mit Hülfedes Materials, welches in den meisten Fällen mit aufserordentlicher Be-reitwilligkeit seitens der Architekten und der Directoren dieser Anstal-ten oder seitens der städtischen Behörden zur Verfügung gestellt wurde.

Die Zeichnungen der beiden genannten Schlachthäuser sind dem8. Jahrgange der Zeitschrift für Bauwesen und dem 11. Jahrgange derallgemeinen Bauzeitung entnommen und mit dem heutigen Zustandeübereinstimmend wiedergegeben worden.

Hin und wieder finden sich zwar in technischen Journalen zer-streute Notizen, doch gerade über die bedeutendsten Anlagen ist bis-j her nichts veröffentlicht und verdient deshalb die Gefälligkeit jenerArchitekten um so gröfseren Dank, als sie Benutzung der Zeichnungenvon ausgeführten Bauwerken, ja selbst der Entwürfe von noch unvoll-endeten Anlagen mit einer Zuvorkommenheit gestatteten, ohne welchees unmöglich geworden wäre, das erforderliche Material zu verglei-chender Darstellung zu gewinnen.

Nachstehende Zeichnungen und Beschreibungen umfassen die Vieh-! markte und Schlachthäuser von Hamburg, Stuttgart, Wien, Zürich ,

| Genf, Genua, Mailand, Brüssel, Meeheln, Paris, Rouen , Versailles,Strafsburg, Argentan, Lyon, Marseille, London, New Castle upon Tyne ,Cork, Glasgow und Edinburg .

Die Maafs- und Zahl-Angaben sind nach preufsischen Werthenberechnet.

Leider gestattete es das Format der Blätter nicht, sämmtliche An-lagen nach einem und demselben Maafsstabe zu zeichnen, was dieVergleichung erleichtert haben würde.

Die statistischen Angaben sind beigefügt nur insoweit, als dieszur Beurtheilung der Verhältnisse erforderlich schien, da sie mit denadministrativen Fragen eingehend behandelt werden in dem Bericht,welchen Herr Stadtrath Risch erstattet.

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