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Die technische Bildung im Kaiserthume Oesterreich : ein Beitrag zur Geschichte der Industrie und des Handels / von Dr. Herm. Ign. Bidermann
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II

lMds zurückgegeben (weßhalb auch den Konsumenten jene Borliebeeben nicht verdacht werden darf), und bei entsprechender Vervollkomm-nung ihres Gewerbsbctriebs würden sie, die Begüterten von der über-

Kuchelbecker, der im I. 1732 eine „allerneueste Nachricht vom kaiserlichenHofe" herausgab, erzählt nach eigener Anschauung: „man immitire dort alle französi-schen und ausländischen Moden, trage nichts als auswärtige Stoffe, Tücher, Spitzenund Galanterie-Waaren, die Kleider müßten so viel nur immer möglich a In ll-nn-yniso gemacht sein und obschvn die Bornehmen hierin am Meisten excellirten, so seidoch auch schon das gemeine Volk gleichfalls auf diese Thorheit gerathen und tragemeisten Theils wie jener Philosoph sein ganzes Bermögen mit sich am Leibe herum.

Auch der geistreiche Tourist äv Lösn, welcher im Jahre 1717 Wien besuchte,verzeichnete in seinen Reisememoiren, daß er dort „xstits mnitrss" getroffen habe,welche einen Stolz darein setzten: „cl'uvoir I'nir toür xarisieu." (Siehe von Toön'sgesammelte kleine Schriften, besorgt und herausgegeben von I. C. Schneidern;Fkfrt. u. Lpzig. bei Huttern 1749; 1. Theil. S. 20.)

UebrigenS würde diese Nachahmung des französischen Prunkes ungleich wenigergeschadet haben, als sie wirklich geschadet hat, wenn bloß der Adel sich darin gefallen,die übrige Bevölkerung dagegen derselben sich enthalten hätte. Denn während derAdel mehr oder minder von jeher mit Bekleidungsstücken sich aus dem Auslande zuversehen Pflegte, und indem er nun französische Manieren adoptirte so zu sagen nurnegativ den Wohlstand der Heimath beeinträchtigte, wurden durch den plötzlichen Ab-fall des Bürger- und Bauernstandes von der Sitte der Altvordern alle Gewerbe,weiche bis dahin dieser Sitte mit lohnendem Erfolge dienstbar gewesen waren, umden größten Theil ihrer Rentabilität gebracht. Darum zeigten sich auch patriotischdenkende Männer gerade über diesen Wechsel der vulgären Gebräuche am Meistenentrüstet. — So klagt der in der vorigen Note bereits genannte Chronist Lobewein(S. 855): „Es ist ja so weit kumben, daß nunmehr (er schrieb dieß um das Jahr1740) sogar die PaurSleith nicht nur den Herrn Titl, sondern auch die Kleider ansich genomben, weilen selbiger Stant, wenig außgenomben, nicht mehr in haußzeigund loben, sondern schier eine yede Paurndirn auß der Kaufleithläden sich claidetvnd solcher gstalt auch der Burgerstandt und die ybrigcn Stent (im Luxus) derartgestiegen, daß es hart höher khomben kann." — Aehnlichen Kummer empfand überdie leichtfertige Modesucht seiner Landsleute der Vorarlberger Franz Jos. Weizenegger,aus dessen hinterlassenen Papieren der Feidkircher Professor Merkie eine TopographieVorarlbergs edirte. Vieles mögen dazu die Hausirenden Krämer beigetragen haben,welche vom Beginne des vorigen Jahrhunderts an Tirol mit Fabrikswaaren in- undausländischen Ursprungs durchzogen.

Angesichts der verführerischen Angebote dieser schachernden Spekulanten brachtebereits eine Regierungsvorlage vom Jahre 1717 die Statuirung einer beständigunveränderlichen Tracht fürs Tirolervolk in Antrag (Libl. Dir.), und schon im Jahre1712 war für alle deutsch-erbländischen Provinzen ein scharfes Luxusedikt mit besondererRücksicht auf den Bürger- und Bauernstand ergangen.

"> Damit soll jedoch keineswegs eine geringschätzige Meinung von dem vor-maligen Zustande der Industrie in den nunmehr zum österreichischen Kaiserstaare zäh-