2 «
Unter solch' mißlichen Verhältnissen erübrigte dem wider Willenzum Müßiggänger gewordenen und dabei brodlosen Gewerbsmanne zurLinderung seiner Noth nur die Interpellation hilfsbereiten Mitgefühls,und wenn er zur Bezeichnung der Ursache seines Kummers das Wort„Geldmangel" wählte, so wählte er sicher das passendste Wort.
in Italien kommandirte, dahin sich aussprach: daß „wann die gantze Monarchie aufder eußersten Spitzen stehen und wirklich zu Grund gehen sollte, man aber nur mit50,000 Gulden oder noch weniger in der Eile aufhelfen könnte, man es müßte ge-scheben lassen und mitzusteuern wüste." — (Arneth Alfred, das Leben des kaiserl,Feldmarschalls Grafen Guido Starhemberg. Wien 1853. S. 297.) Jene Geld-summe, welche Prinz Eugen's Sekretär im I. 1705 der Armee in Italien überbrachte,war von, Prinzen selbst lange vergebens sollicirt und endlich nur mit großem Wider-willen vom Hvfkammerpräsidenten ausgefolgt worden.
Die Geldnoth wurde noch größer, als im Jahre 1709 auch in den Nieder-landen eine kaiserliche Armee aufgestellt und erhalten werden mußte. HunderttausendThaler waren die gesammte Baarschaft, welche Eugen, als er am 13. März 1709Wien verließ, um sich zur niederländischen Armee zu begeben, zu deren Verpflegungmit sich nehmen konnte. — Diese peinliche Klemme ist bei der Beschränktbeit der baarenGeldmittel, welche der Regierung damals zu Gebote standen, um so begreiflicher, alsnicht bloß der Unterhalt, sondern theilweise auch die Armirung der in's Feld gestelltenArmeen den Export klingender Münze erheischte. So wissen wir aus R o I h's Ge-schichte des Nürnberger Handels (II. Th. S. 9), daß schon Kaiser Ferdinand III.im Jahre 1649 durch den Handelsmann Leonbard Pisterich 3000 Paar Pistolen,2000 Karabiner und 400 Paar Neiterstiefel aus Nürnberg »ach Wien bringen ließ.Pferde zur Ausrüstung der Kavallerie wurden nicht selten aus Oldenburg, Mecklen-burg und Holstein bezogen. Tressen und Bordüren zur Ausschmückung der Leibröckeund Wämmser lieferte großen Theils die Leipziger Messe, doch nur gegen parate Be-zahlung. Ja selbst die Bemannung der 1698 und 1716 gebildeten Donau - Flvtillenkostete klingende Münze, die kaum je mehr den Rückweg nach Oesterreich fand, nach-dem die Matrosen dazu in der Umgegend von Hamburg, in Holland und längs derElbe angeworben wurden.
Außerdem brachte die Ausrüstung vieler Gesandtschaften, zumal an den türki-schen Kaiser, es mit sich, daß kostbare Geschenke im Auslande um baares Geld an-gekauft und die Gesandten selbst sammt ihrem Gefolge mit klingender Münze ver-sehen werden mußten, welch' letztere größten Theils am Bosporus und an der Donau-mündung zurückblieb und von den der Rechtssicherheit entbehrenden Türken als Schatzvergraben wurde. — Eine einzige Legation, die im Oktober 1700 auf 60 Schiffenvon Wien aus donauabwärts nach Konstantinopel fuhr, führte Geschenke im Werthevon mehr als einer Million bei sich, welche beinahe durchweg im Auslande(namentlich zu Augsburg und Nürnberg) verfertiget und erhandelt worden waren.—Nebrigens ist durch vorstehende Anführungen (welche mit Ausnahme derjenigen, derenQuellencitat sich beigesetzt befindet, sämmtlich den Frankfurter Relationen entnommensind), das Thema dieser Note noch keineswegs erschöpft. — Die Auslösung von Kriegs-