weniger der eigentlichen Ursache derselben bewußt, als vielmehr voneinem dunklen Gefühle dessen, was zn deren Beschwichtigung nöthig,geleitet — traten sofort wissenschaftliche und pädagogische Celebritätenmit Borschlägen über eine Reform des gesammten Bildungswcsens imrealistischen Geiste auf.
Fast zur selben Zeit — um das Jahr 1630 nämlich — undgleich als hätten sie darüber im Boraus Verabredung gepflogen, sprachenRatichius (geb. 1571, gest. 1635) in Deutschland*); Kartesius
unterrichtet werden," und als eS sich im I. 1655 um die Aufstellung von Statutenfür die Vergebung dortiger Freitische an „Alumnen" handelte, wurde festgesetzt, daßden „Liebhabern der Mathematik" unter allen Concurrcnten der Vorzug gegeben wer-den solle. Auf solche Weise suchten einsichtsvolle Gcwerbtreibende, bevor es noch hiezutaugliche öffentliche Schulen gab, der Fachbildung ihrer zur Nachfolge in, Geschäftebestimmten Sohne durch die Veranstaltung eines gemeinsamen adäquaten Unterrichtesund durch die Bestellung von Hauslehrern fürzusorgen, welche bei einiger Begabungnebenher hinreichende Gelegenheit fanden, sich in den exacten Wissenschaften weiterauszubilden, woraus die notorische Erscheinung, daß in früherer Zeit gerade die be-rühmtesten Fabriksorte und Handelsplätze auch die namhaftesten Mathematiker, Phy-siker und Geodäten auszuweisen hatten, zu erklären sein dürfte.
Derlei Privat-Anstalten und Informatoren gab es zu Nürnberg, Augsburg,Ulm, Leipzig, Frankfurt a. M., Lötn, Hamburg, Lübeck, Bremen, Basel, Zürich,Schaffbausen und Danzig bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts in Fülle; jain einzelnen dieser Städte, wie in Augsburg, Nürnberg, Ulm und Danzig findensich — wie wir dieß oben von Danzig durch concrcte Anführungen aus I)r. Gotth.Losch in'S Geschichte dieser Stadt (Danzig 1822 I. Th. S. 367) nachgewiesen haben,und aus P. I. Marperger's „Dritoliuiu lVlereumils Lurvum" iDresden 1723 S. 12bis 23), aus C. Jäger's: „Schwäbischem Städtewesen des Mittelalters" (I. B.Stuttgart 1831) u. a. Quellen wissen — selbst schon im Beginne des 17. Jahr-hunderts und gegen Ende des 16. Spuren davon. Siehe auch Pvppe's Gesch. derTechnologie I. B. Göttingen 1807, S. 66; Raumer's Geschichte der PädagogikII. B. S. 51 und K. Stark's Aufsatz über „Albrecht Dürer und seine Zeit" inArndt's Germania l. B. Leipzig 1851.
Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts erfreute sich eines besonders günstigenRufes die „Schreib-, Rechen- und Buchhalter-Schul" des I. Tobias Storch zuLeipzig. Sie wurde nicht nur von Dänen, Schweden und Holländer», sonder» auchvon den Engländern und Italienern besucht. (Marperger's Drilclliuru S. 15.) Aufeinzelnen Handelsplätzen erhielten sich derlei Privat-Anstalten bis vor wenige Jahr-zehende in bedeutender Menge. So befanden sich noch um das I. 1760 allein imBereiche des Michaelis-Kirchspiels zu Hamburg an dritthalb hundert solcherPrivatschulen. ; Sendschreiben zum Beweise, daß die sogenannten Handlungs-Akade-mien in Hainburg sehr entbehrlich sind. 1774. S. 5.)
0 Räumer, Geschichte der Pädagogik ll. B. S. 14 u. f.