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Die technische Bildung im Kaiserthume Oesterreich : ein Beitrag zur Geschichte der Industrie und des Handels / von Dr. Herm. Ign. Bidermann
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136
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Zur Kalligraphie sind die Schüler der I. Classe verpflichtet; von den Schülernder II. Classe hat die Direktion und der Lehrkörper jene zu diesem Unterrichte zuverpflichten, deren Handschrift und schriftliche Arbeiten dieses als nothwendig oderwünschenswerth darstellen.

Behandlung der einzelnen Lehrgegenstände.

?. 24.

Unterrichtssprache und zweite lebende Sprache.

Mit Beziehung auf die im K. 14 vorangestellte Bemerkung wird hinsichtlichder deutschen Sprache als Unterrichtssprache Folgendes festgesetzt:

Ziel. Sicherheit und Gewandtheit in klarer Darstellung der Gegenstände,welche dem eigenen Erfahrungs- und Gedankenkreise der Schüler angehören. Kenntnißder bedeutendsten Erscheinungen der neueren deutschen Literatur, hauptsächlich durchpassend gewählte Lectüre; Bildung des Geschmackes hiedurch und durch Lesung ge-diegener Uebersetzungen aus classischen Werken anderer Völker, namentlich auch desAlterthumes.

I. Classe, wöchentlich 4 Stunden.

u) Lectüre. Die zu Grunde zu legenden Lesestücke müssen so gewählt und aufdie drei Classen vertheilt sein, daß nicht blos rom Leichten zum Schwererenfortgeschritten wird, sondern auch die Hauptarten der Darstellung und die be-deutendsten Dichter und Prosaiker möglichst berücksichtiget werden.

An die antiken und deutschen Sagendichtungen, die als der leichtere Lesestoffden Anfang machen, wird das Wichtigste aus der Mythologie angeknüpft.

b) Uebungen in logischen und grammatisch - stilistischen Zergliederungen der Satz-gefüge, Perioden und größerer Stilganze. Betrachtung der Gedankenfolge und. des Satzbaues.

e) Schriftliche Uebungen aus dem Bereiche der Lectüre, der Geschichte und Natur-kunde. Darstellungen aus der eigenen Erfahrung.

II. Classe, wöchentlich 3 Stunden.

n) Fortgesetzte Lectüre. An den gelesenen und ihrem Inhalte nach erklärtenDichtungen wird das Hauptsächlichste von den Formen und Arten der poetischenLiteratur, sowie auch der deutschen Verskunst erläutert.

b) Inhalt der deutschen mittelalterlichen Literatur in Erzählungen, namentlich deralten Helden- und Volkssagen.

e) Die schriftlichen Uebungen werden fortgesetzt. Selbstständige Darstellungen ausdem realistischen Unterrichte, Auszüge, Briefe u. dgl.

III. Classe, wöchentlich 5 Stunden.

n) Lectüre eines oder andern Ganzen, etwa eines geeigneten Drama's oderEpos. Betrachtung desselben in ästhetischer Rücksicht. Außerdem dient zurfortgesetzten Lectüre eine Auswahl von Lesestücken, insbesondere von Briefenund Geschäftsaufsätzen. Daran knüpft sich die Betrachtung der verschiedenenDarslellungsarten.

b) Gestützt auf die bisherigen Lesestücke werden Mittheilungen über daS Leben undlirerarische Wirken der bedeutendsten Dichter und Schriftsteller der neueren Zeitgegeben.