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biete führt das Gymnasium seine Zöglinge hinein, aus jedemnimmt es einen schwellenden Kern und pflanzt ihn in die jun-gen Seelen hinein, daß er zum Baume der Wissenschaft her-vorwachse und Früchte nach allen Seiten hin trage. Die Ma-thematik und die Physik erschließen das Innere der Naturund ihrer Erscheinungen, die Sprache und die Geschichte führenin die Mcnschenbrust und in das Menschenleben ein, die Reli-gion läßt in die Tiefen der Gottheit schauen. Aber Eins fehltnoch zum Gedeihen der so von den Gymnasien ausgestreutenSaat der Wissenschaft. Eine Pflanze bedarf zu ihrem Wachs-thume der Luft und des Sonnenscheins, sie bedarf der ihrerNatur angemessenen Atmosphäre, und auch diese giebt dervon ihm gepflegten Pflanze das Gymnasium. Wenn nämlichdie Wissenschaft auch auf der einen Seite, wie wir gesehenhaben, mächtig in alle Kreise des Lebens hineingreift, so be-darf sie doch zugleich auf der anderen zu ihrer eigenen Pflegeund Entwickelung einer vom Geräusche der Welt und des Le-bens entfernten Zurückgezogcnhcit. Denn das Wesen der Dinge,welches zu erforschen die Aufgabe der Wissenschaft ist, ist janichts Aeußerlichcs, den Händen Faßbares und den SinnenWahrnehmbares, sondern ein geistiger Odem, der sie durchweht,ein Hauch Gottes, der sie belebt und zusammcnhält, und umdaher diesen inneren Pulsschlag ihres Herzens zu hören und zuverstehen, dazu bedarf es einer stillen Sammlung des Geistes,bedarf es einer Gemüths- und Seclenvcrfassung, die empfäng-lich ist für jene leisen Offenbarungen, jene geheimnißvolle Spra-che des Geistes; und beides gewährt das Gymnasium, nichtäußerlich dadurch, daß es seine Zöglinge durch Mauern undWälle vom Leben abschließt, sondern innerlich und geistig da-durch, daß es in ihr eigenes Leben eine ideale Welt hineinlegt.Es ist dies die Welt des Alterthums. Zn Trümmer gesunkensind ihre Hallen und Altäre, untergegangen die Gestalten, dieeinst darin gewandelt; aber sie selbst ist nicht gesunken, sie selbst