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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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Vorwort.

Alts vor mehreren Jalrren der 36. Thoil von GrünertsArchivder Mathematik und Physik in meine Ilündc gelangte, fiel meinBlick auf eine imLiterarischen Bericht CXL1V, pag. 11 enthal-tene Anzeige, welcher zufolge die Oberlausitzischc Gesellschaft derWissenschaften zu Görlitz eine Preisaufgabc gestellt hatte, derenGegenstand eineLebensbeschreibung des EhrenfriedWalther von Tschirnhaus auf Kicsslingswalde undWürdigung seiner Verdienste sein sollte. Obschon bereitseinige Zeit verflossen war, ehe diese Bekanntmachung zu meinerKenntniss gelangte, so beschloss ich doch nach reiflicher Ueber-legung, die Arbeit zu unternehmen, da mich die Sache sehr interes-sirte und mit meinen früheren Studien in enger Beziehung stand.Hütte ich doch den Mathematikern gerade der Periode, welchertschirnhaus angehört, meine besondere Aufmerksamkeit zugowendet,War mir doch aus Gerhardts Schriften bereits Manches über seinäusseres Leben und über sein Verhältniss zu Leibniz bekannt, undhatte doch das, was ich von seinen Abhandlungen in den ActisEruditorum gelesen, in mir den Wunsch rege gemacht, das Lebenund Wirken auch dieses Mannes naher kennen zu lernen. So machteich mich denn ans Werk. Ich suchte in Tschirnhausens Geist ein-zudringen, untersuchte die von ihm aufgcstcllton Sätze rücksichtlichihrer Dichtigkeit, und war bemüht, so viel als möglich den Gedanken,der ihn bei Aufstellung derselben geleitet haben mochte, zu ermitteln.Wo freilich Gesetze, die sich oft genug, wenigstens im Allgemeinen,als unrichtig enveisen, ganz zusammenhangslos und ohne jede Be-gründung, höchstens an einigen Beispielen erläutert, hingestellt wer-den, da hört, wie gewiss Jeder zugeben wird, der mathematischeSchriften jener Zeit auch nur oberflächlich betrachtet hat, jedeVerniuthung auf, und es bleibt nichts übrig, als anzunchmon, dass,wie auch Fatio de Dublier von Tschirnhausens Tangentenmethode"icint (s pag. 134), solche Begcln durch unvollständige Induetiongefunden sein, während (allerdings nicht in dem soeben citirtenHalle) eine dunkle Ahnung von den Principien der höheren Analysis,denen Leibniz den klaren und bestimmten Ausdruck gab, den Hinter-grund bildete. Zugleich glaubte ich das Verhältniss Tschirnhausenszu seinen Zeitgenossen nicht ausser Acht lassen zu sollen; sie

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