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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
Entstehung
Seite
IV
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Vorwort.

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urtheilten über ihn, ich habe diese Urtheile mit angeführt; es ent-standen Streitigkeiten, ich bin .auf dieselben eingegangen und habezu zeigen gesucht, auf welcher Seite das Rechte lag; Andre berich-tigten, erweiterten und vervollständigten seine Sätze, ich habe auchdies in das Bereich meiner Abhandlung gezogen. Endlich habe ichTschirnhausens Yorhältniss zur Fachwelt berücksichtigt, und wovon ihm ausgesprochene Gedanken in ihrer Entwickelung bis aufdie Gegenwart herabreichen, dies nicht unerwähnt gelassen. Indemich in diesem Sinne die von der Oberlausitzischen Gesellschaft derWissenschaften gestellte Aufgabe auffasste, glaubte ich bei der Be-handlung der einzelnen Schriften nicht die chronologische Reihen-folge, sondern den Inhalt zur Richtschnur nehmen zu müssen,und mich nicht mit einer dürftigen und aphoristischen Angabe desInhalts und Resultates begnügen zu dürfen, obschon dies für michebenso bequem gewesen wäre, als für den Preisrichter; vielmehrhabe ich keine Mühe gescheut, mich wieder hineinzuversetzen ineine Zeit, in welcher Ausdrucksweise, Ideenkreis und Anschauungvon der jetzigen oft so wesentlich verschieden sind, in welchergährende Gedanken nach Klärung rangen und die diese verschaffendehöhere Analysis noch in der Ausbildung und Durchbildung begriffenwar. So entstand die vorliegende Schrift. Sie wurde nicht langevor dem von der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaftenfestgesetzten Termin (dem 31. Januar 1863) vollendet, und nachGörlitz gesandt, indem ich zugleich die Bitte aussprach, falls derAbhandlung der Preis nicht zuorkaunt würde, das den Famen desVerfassers enthaltende Couvert zu öffnen und die Arbeit demselbenwieder zukommen zu lassen. Couvert wie Arbeit waren versehenmit dem Motto:Certandum cst; veniunt nulli sine Martetriumphi. Ich ahnte damals nicht, wie bald der erste Theildesselben in Erfüllung gehen sollte, wenn auch in minder edlemSinne, als ich ihn hatte verstanden wissen wollen.

Zu Ende April 1863 nämlich erhielt ich durch den damaligenSecretair der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, HerrnPastor Hirche, meine Schrift wieder zurück, indem derselbe mirzugleich in einem vom 23. April 1863 datirten Briefe anzeigte, dassdieselbe auf Grund der eingeholten Gutachten nicht habe gekröntwerden können, es sei daher die Aufgabe mit verdoppeltem Preisewiederholt, und die Ablieferung der Bewerbungsschrillen auf den31. Jan. 1865 festgesetzt worden (vergl. Grunerts Archiv, Theil 40,Literarischer Bericht CLIX, pag. 16); ich möge dem Gegenständenoch ferner meine Theilnahme zuwenden, und es werde mir wohldaran gelegen sein, das eine sehr gründliche Gutachten des Pro-fessors Grunert in Greifswald kennen zu lernen. Herr Pastor Hirchestellte mir eine Abschrift dieses Gutachtens zur Verfügung, erbotsich auf das Freundlichste, mich mit literarischen Mitteln zu unter-stützen, und sprach den Wunsch aus, ich möge der OberlausitzischenGesellschaft der Wissenschaften als correspondirendes Mitglied bei-