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Vorwort.
hereinziehen zu müssen, so glaube ich doch jetzt, wo die gekröntePreisschrift vor mir liegt, um meiner selbst willen, nicht ausverletzter Eitelkeit, die mir ganz fern liegt, mit meiner Ansichtnicht länger zurückhalten zu dürfen. Denn es ist, ganz abgesehenvon Anderem, nur allzu augenscheinlich, dass in der gekrönten Preis-schrift Tschirnhausens Leistungen auf dem Gebiete der Mathematiksehr stiefmütterlich behandelt sind. Ich brauche nur darauf hin-zuweisen, dass der auf diese Wissenschaft bezügliche Theil der Preis-schrift höchstens etwas über 2 '/ 2 Druckseiten, etwa '/j 5 des Ganzen,umfasst, dass dem Inhalte nach Zusammengehöriges auseinander-gerissen ist, dass des interessanten Satzes über die Vergleichungzweier Parabelbögen (pag. 120 —129 vorliegender Schrift) ausserder Ueberschrift mit keinem Worte gedacht, und auf Tschirnhausens,von Fatio de Duillier weiter behandelte Tangentenmethode für Cur-ven, die durch foci entstanden sind (pag. 133 — 148 vorliegenderSchrift) gar nicht eingegangen ist. Man wird in dieser Beziehungnicht einwenden, die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaftenhabe mehr Gewicht auf die Wirksamkeit Tschirnhausens auf anderenGebieten gelegt; denn ich würde in diesem Falle fragen, warumdie Ausschreibung der Preisaufgabe in einer wesentlich mathe-matischen Zeitschrift erfolgt, warum ein „Professor der Mathe-matik” zum Preisrichter ernannt, warum bei Gelegenheit derBerathung über die Preisertheilung 1863 ein vorzugsweise denmathematischen Theil vorliegender Schrift betreffendes Gut-achten von durchschlagendem Einflüsse gewesen sei. Wenn mannun also aus solchen Gründen wird einräumen müssen, dass auchdie Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften TschirnhausensWirksamkeit auf dem Gebiete der Mathematik habe besonders be-rücksichtigt wissen wollen, so ist, ich muss es offen aussprechen,der Unterschied in dieser Beziehung zwischen der vorliegendenAbhandlung, welche des einfachen Ehrenpreises für unwürdig,und der gekrönten Abhandlung, welche des doppelten Ehren-preises für würdig erklärt worden ist, allzu grell, als dass ich,anderer Möglichkeiten, die stattgehabt haben könnten, zu ge-schweigen, nicht vermuthen müsste, der Maassstab, welcher an dieletztere gelegt worden ist, sei nicht derselbe, mit welchemvor drei Jahren die meinige gemessen worden ist. Ob ich hierinHecht habe, mögen Andere entscheiden. In mehrfacher Hinsichtaber halte ich cs für räthlich, das „sehr ausführliche und gründ-liche” Gutachten des „sehr kompetenten” Prof. Grunert, so wie esmir in Abschrift mitgetheilt worden ist, zu veröffentlichen. Es lautet
folgendennassen:
„Aljsclirift”. _.
„Die mit dem Motto:
„Certandum est; veniunt nulli sine Marte triumphi”versehene Preisschrift über das Leben und die Verdienste von Ehren-fried Walther von Tschirnhaus besteht aus fünf Abthei-lungen in zwei Kapiteln, nämlich: