Vorwort.
XXIX
Dies das in Prof. Grunert’s Augen ohne Zweifel sehr geschmack-volle, „sehr ausführliche und gründliche” Gutachten des „sehr kom-petenten Bichters” Prof. Grunert — über Tschirnhausons Leben unter-richtet er sich, wie man sieht, aus dem Conversationslexicon, diePhilosophische Wirksamkeit kann er nicht beurthcilen, und das überdie mathematischen Leistungen Gesagte zu lesen kann er sich nurmit Mühe überwinden — so wie es mir abschriftlich zugekommen ist.
Bur schwer und ungern habe ich mich dazu entschlossen, dieseSache vor die Oeffentlichkeit zu bringen, denn nichts liegt mir fernerals Wohlgefallen an, namentlich literarischer, Fehde und Klopf-fechterei und ich für meine Person würde nie einen Anderen ohneUrsache angreifen, am wenigsten auf gehässige Weise, auch dannnicht, und erst recht dann nicht, wenn ich ihn durch Verhältnisseverhindert glaubte, sich zu vertlieidigen. Hier aber glaubte ich esmir selbst schuldig zu sein, gestützt auf Becht und Billigkeit undauf Thatsachen, die sich nicht hinwegleugnen lassen, deren Beweise,geschrieben und gedruckt, in meinen Händen sind, und bei mir vonJedem, der ein Interesse daran haben kann, eingesehen werdenkönnen, meine Ansicht zu rechtfertigen, dass meine vorliegendeArbeit mi‘t demselben Bechte den einfachen, wie diegekrönte den doppelten Preis verdient habe, obschonich weit davon entfernt bin, erstere für vollkommen zu halten. Ichkann und will nicht leugnen, dass ich, als ich von derselben zumhehufe des Druckes eine Abschrift besorgte, noch manche, nament-lich stilistische, Unzulänglichkeiten entdeckte, welche ich mit dermir bei Abfassung der Schrift nur knapp zugemessenen Zeit zu ent-schuldigen bitte, die ich übrigens gewiss schon vor drei Jahrenbemerkt haben würde, wenn mir, wie dem Verfasser der gekröntenUreisschrift eine „nochmalige Bevision” gestattet worden wäre. Jetzthabe ich dieselben natürlich nicht verbessert, das Manuscript derAbhandlung liegt noch genau in derselben Gestalt vor mir,wie ich es vor drei Jahren von Görlitz zurückerhalten habe und ichhabe im Drucke nur diejenigen Aenderungen vorgenommen, die durchtypographische Bücksichten geboten waren und umiöthigc Correcturenersparten; einige leichte Versehen und Schreibfehler habe ich aufeinem besonderen Blatte a. E. notirt.
So möge denn die Schrift selbst für mich sprechen und meineoben aufgestellte Ansicht unterstützen, und mögen Sachverständigeund Unparteiische über die vorliegende, sowie über die gekrönteUreisschrift urtheilen! Da aber dazu nöthig ist, dass auch letztereeinem grösseren Publicum, als den Lesern des Neuen LausitzischenMagazins zugänglich gemacht wird, so darf ich wohl die Erwartungaussprechen: Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaftenzu Görlitz werde die gekrönte Preisschrift; „Lebensbeschreibungdes Ehrenfried Walther von Tschirnhaus auf Kiesslingswalde undWürdigung seiner Verdienste” als selbstständige Schrift druckenlassen, und auch das von Herrn Professor Grunert über dieselbe